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Georg Friedrich Händel

L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (Fassung 1740), Concerti grossi op. 6/I & III, Orgelkonzert op. 7/I

Gillian Webster, Laurence Kilsby, Gabrieli Consort, Gabrieli Players, Paul McCreesh u.a.

Signum Records/Note 1 SIGCD 392
(141 Min., 5/2013) 2 CDs

Händels „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ scheint der Idee nach ein für die Barockzeit sehr naheliegendes Werk zu sein: Schließlich gestaltete man damals stets aus einem Affekt-Ordo heraus, der unterschiedliche Gemütsverfassungen in standardisierter Weise repräsentiert. Und doch ist „L’Allegro …“ ein so außergewöhnliches Stück, dass man nicht einmal weiß, wie man es hinsichtlich seiner Gattung betiteln soll – ist es ein Oratorium oder eher doch nicht? Ungewöhnlich ist vor allem, dass hier gar nicht der Versuch gemacht wird, eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Vielmehr werden zwei entgegengesetzte Temperamente (Frohsinn und Melancholie) mit unterschiedlichsten Bildern charakterisiert – eine Steilvorlage für Händels musikalische Charakterisierungskunst! –, und im zweiten Teil tritt noch ein „Moderato“ (ein „Gemäßigter“) auf, der zwischen den Gegensätzen zu vermitteln versucht.
Paul McCreesh hat das Stück mit einem weitgehend großartigen Team eingespielt. Wo Händel einen Knabensopran verwendete, tut auch er dies: Laurence Kilsby hat eine verwirrend reife, beinahe androgyne Stimme, die zum Recherchieren im Netz inspiriert (der interessierte Leser lasse sich selbst überraschen, was es bei Youtube zu hören und zu sehen gibt!) Kilsbys „Alter Ego“ im Sopranfach ist die höchst einfühlsame Sopranistin Gillian Webster. Gemeinsam mit den machtvollen Klängen eines Naturhorns präsentiert sich in seiner ersten Arie der Bassist Ashley Riches, der mit angenehmer Höhe und nicht ganz so kerniger Tiefe im Großen und Ganzen der Vorstellung eines typischen Händel-Basses entspricht. Allzu wenig Musik sieht die Partitur leider für den Bariton vor, der mit Peter Harvey optimal besetzt ist; Freude macht auch der Gesang von Jeremy Ovenden, obwohl sein Tenor-Timbre nicht gerade ruhig geführt, sondern stark von einem inneren Beben geprägt ist. Ein Übriges tun Gabrieli Consort & Players, wie stets hervorragend besetzt und perfekt an einem Strang ziehend. Gediegener lässt sich Händels Musik wohl nicht umsetzen.

Michael Wersin, 26.09.2015



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