Echte Studioaufnahmen von Opern gönnt sich heutzutage eigentlich nur noch harmonia mundi, wenn René Jacobs eine weitere seiner erhellenden Lesarten auf Band bannen darf. Ansonsten aber handelt es sich bei Opern-Neuerscheinungen fast durchwegs um Live-Mitschnitte, denen ein Studiotag zur Fehlerkorrektur angehängt wird. Allein deshalb ist diese neue "Aida"-Produktion schon etwas Besonderes. Erfreulicherweise jedoch nicht nur deshalb, denn das Besondere setzt sich auf der künstlerischen Seite fort. Natürlich kann man derzeit mit dem Verdi-Dreamteam Harteros/Kaufmann kaum etwas falsch machen, doch garantieren illustre Namen auf der Besetzungsliste bekanntlich noch keine Sangeswonnen – hier allerdings doch.
Anja Harteros ist ein Traum von einer Aida, völlig souverän im Einsatz ihrer gestalterischen wie stimmlichen Mittel präsentiert sie eine Titelheldin, wie man sie nicht oft zu hören bekommt, läuft dabei nie Gefahr, zu viel zu machen. Kaum zu glauben, dass sie die Partie erst für diese Aufnahme einstudiert hat. Ähnlich euphorisch lässt sich (endlich einmal wieder) auch von Jonas Kaufmann sprechen, der einem Ideal-Radames sehr nahe kommt, obwohl er – wie seine Partnerin – hier sein Rollendebüt abliefert. Ekaterina Semenchuk bringt für Amneris eine typisch russische Röhre mit, teils unausgewogen in der Tonproduktion, aber stets recht effektvoll, erinnert darin (auch klanglich) an Elena Obraztsova. Antonio Pappano schließlich erweist sich am Pult des Santa Cecilia-Orchesters einmal mehr als ein Dirigent, wie ihn sich jeder Sänger (und Opernfan) nur wünschen kann.

Michael Blümke, 10.10.2015



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