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Robert Schumann

Klavierkonzert op. 54, Klaviertrio Nr. 2 op. 80

Alexander Melnikov, Isabelle Faust, Jean-Guihen Queyras, Freiburger Barockorchester, Pablo Heras-Casado

harmonia mundi HMC 902198
(58 Min., 5, 8 & 9/2014)

Alexander Melnikovs Einspielung von Robert Schumanns Klavierkonzert hat gleich drei Seiten. Im Eröffnungssatz rauscht und weht es dämonisch auch durch das Freiburger Barockorchester. Und während man zwischendurch sogar ein Mythen- und Märchen-Furioso à la Weber anschlägt oder Pablo Heras-Casado die Holzbläser zu geheimnisvollen Dialogen mit der Klavierstimme einlädt, hält Melnikov im „Allegro affettuoso“ an einem skandinavisch-nordischen Grundton fest. An dem historischen Flügel Bj. 1837, der aus der Werkstatt Erard stammt, vollzieht sich dann im Intermezzo die völlige Kehrtwende. Das klanglyrische Potenzial des Instruments kann jetzt so richtig aufblühen und den Satz in ein hübsches „Blumenblatt“ verwandeln. Das Finale schließlich ist zwar dann vollends dem Leben zugewandt. Aber die gleich zu Beginn angeworfenen Ritardandi kommen doch etwas zu gewollt daher, um das Tänzerische dieses Satzes zu konturieren. Trotz der Leidenschaft, mit der die Musiker Schumann ins Visier nehmen, ist diese Sichtweise vielleicht die uninspirierendste des gesamten, ansonsten beseelt ausmusizierten Klavierkonzerts.
Die Aufnahme ist der 2. Teil einer CD-Reihe mit den drei Solo-Konzerten von Schumann, bei denen neben Melnikov Geigerin Isabelle Faust und Cellist Jean-Guihen Queyras die Solo-Parts übernehmen. Und weil danach immer noch Platz genug für ein Klaviertrio von Schumann ist, haben sich die drei Musiker nun für das 2. Klaviertrio op. 80 verbündet. Melnikov ist dafür extra zu einem eher offenherziger klingenden Pianoforte von Streicher (1847) rübergerutscht. Und so ganz ohne romantische Schnörkel feiern er, Faust & Queyras das romantisch Seligmachende bewegend tief, sensibel anteilnehmend und dann wieder jugendlich schwungvoll. Als Bonus liegt der CD übrigens auch eine DVD mit dem Konzertmitschnitt des Klavierkonzerts aus der Berliner Philharmonie bei.

Guido Fischer, 10.10.2015



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