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C2J - Classical To Jazz One

Olivia Trummer

Neuklang/Edel 1041313NKL
(69 Min., 4/2014)

Nicht weniger als die Verwandlung von „Classic To Jazz“ macht die Pianistin Olivia Trummer zum Motto und deutet gleich an, dass sie dieser ersten Veröffentlichung noch weitere folgen lassen möchte. Die Rückseite des Covers verrät, dass sie und der Vibrafonist Jean-Lou Treboux sich von Scarlatti, Mozart, Bach inspirieren lassen: ein ambitioniertes Vorhaben. Und ein geglücktes! Denn Trummer und Treboux behandeln die Klassiker, als handle es sich bei Domenico Scarlattis Sonate K 209 A-Dur, Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate KV 331 A-Dur und Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 1 B-Dur um Themen aus dem Realbook der großen Broadway-Standards und verwenden sie als Ausgangspunkt für bezaubernde Duette.
Eine neue, persönliche Musik entsteht so, die stilistisch – im besten Sinn des Wortes – zwischen den legendären Duoaufnahmen von Gary Burton und Chick Corea aus den 1970ern und den Klassikern schwebt. Die klassischen Themen bleiben dabei erkennbar, sind aber so weit umgeformt, dass sie ihren klassischen Charakter völlig verloren haben. Wären sie nicht als Bezugspunkte angegeben, müsste man lange nachdenken, um die Inspirationsquellen letztendlich zuordnen zu können. So wirkt eine relativ nahe am Original gespielte Passage eher wie eine augenzwinkernd eingestreute Reminiszenz an die europäische Musikgeschichte und nicht etwa als das, was sie tatsächlich ist: der Bezugspunkt einer gesamten Passage.
Bei ihren Neufassungen lassen Trummer und Treboux ihren Hörern in der Tradition des europäischen Jazz der 1970er Raum, sich in das melodienreiche Geschehen einzufühlen. Sie führen Dialoge, sie verzahnen Melodielinien ineinander, sie lassen die Klänge emporschweben und sanft im Duett landen. Und so kann man den Wortlaut des abschließenden Songs von Friedrich Holländer auch programmatisch verstehen: Dessen „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ gab den Anstoß zum Finale. Die Antwort ist einfach: Dieses Duo passt weder in die Schublade der gängigen Klassik-Transformationen noch in gängige Vorstellungen des Jazz. Die beiden gehören ihrer eigenen Gedankenwelt.

Werner Stiefele, 17.10.2015



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