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Diverse

De main de maître („Von Meisterhand“)

Maurizio Pollini, Bruno Monsaingeon (Regisseur)

DG/Universal 0735212
(54 Min., 2014)

Als Maurizio Pollini 1960 nach seinem Gewinn des Warschauer Chopin-Wettbewerbs zurück nach Mailand flog, wurde er am Flughafen schon von der Presse erwartet. 18 Jahre alt war Pollini, der plötzlich im Scheinwerferlicht und im Fokus der Fernsehkameras stand. Damals waren ihm diese plötzliche Popularität und die entsprechenden Begleitumstände eher unangenehm, wie ein kurzer Schwarz-Weiß-Film belegt, den Regisseur Bruno Monsaingeon für sein Porträt vom italienischen Pianisten ausgegraben hat. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, nach unzähligen Konzerten in aller Welt, hat sich an diesem uneitlen Star, an seiner wohltuenden Distanz zum Klassik-Betrieb nichts grundlegend geändert. Ein kongenialer und mit der Kamera spielender Dampfplauderer wie der einst von Bruno Monsaingeon ebenfalls interviewte Glenn Gould ist Pollini so gar nicht. Eher das genaue Gegenteil. Im Arbeitszimmer seiner Mailänder Wohnung sitzen sich er und der Regisseur gegenüber. Und in einem klassischen Frage-Antwort-Spiel lässt man die Biografie und die Karriere des heute 73-Jährigen Revue passieren – wobei Pollini zwischendurch mit einem leicht peinlich berührt wirkenden Lächeln anzudeuten scheint, dass seine Person doch eigentlich völlig hinter die Musik zurücktreten sollte.
Glücklicherweise gibt Pollini bereitwillig, aber eben so ganz ohne den üblichen Anekdoten-Flitter, Auskunft über seine Stationen, über musikalische Wegbereiter wie Artur Rubinstein und Wegbegleiter wie Claudio Abbado und Luigi Nono, mit denen er Anfang der 1970er Jahre so genannte „Arbeiterkonzerte“ veranstaltete. Und natürlich kommt auch seine Lehrzeit beim legendären Arturo Benedetti Michelangeli zur Sprache, bei dem er nach dem Gewinn des Chopin-Wettbewerbs studierte und sich dafür für 18 Monate völlig aus dem Konzertleben zurückzog. Äußerst lebendig wird das Porträt „De main de maître” („Von Meisterhand“) nicht nur dank vieler Film- und Zeitdokumente. Gerade die Konzertmitschnitte mit Werken u.a. von Beethoven, Chopin, Bartók und Stockhausen sind es, die trotz ihrer Kürze einen repräsentativen, faszinierenden und fesselnden Eindruck vom Ausnahmemusiker Pollini, von seiner intellektuellen Vermittlung, fesselnden Kraft und entwaffnenden Virtuosität geben. Und überhaupt lernt man ihn als einen äußerst sympathischen Zeitgenossen kennen.

Guido Fischer, 31.10.2015



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