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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 2, Moments musicaux op. 16

Alexander Krichel, Dresdner Philharmonie, Michael Sanderling

Sony 88875122772
(67 Min., 3 & 5/2015)

Glaubt man dem Komponisten, dann verdanken wir Rachmaninows 2. Klavierkonzert dem Behandlungserfolg des Neurologen Nikolai Dahn, der den nach dem Misserfolg seiner ersten Sinfonie an schweren Depressionen leidenden Künstler mittels Hypnose wieder zum Komponieren motivierte. Unzählige Pianisten haben sich seitdem der emotionalen Eruption hingegeben, die „Rach 2“ darstellt, und bisweilen kann es einem dabei auch ein bisschen zu viel werden an sich ergießendem Gefühlsüberschwang.
In diese Falle tappt der junge Pianist Alexander Krichel nicht: Ohne nüchtern zu wirken, hält er einen klaren Sicherheitsabstand zu jeder Sentimentalität. Klar, hell, durchsichtig und von flüssiger Virtuosität ist sein Spiel, das von den warmen und kräftigeren Farben der Dresdner Philharmonie eingefasst wird. Zwingende Gründe, sich ausgerechnet für diese Einspielung des oft aufgenommenen Stückes zu entscheiden, sind das trotz der Stringenz der Interpretation aber auch wiederum nicht, denn nicht überall legt der Verzicht auf sentimentale Überzeichnung auch kompositorische Substanz frei. In jedem Falle würde man sich wünschen, Rachmaninow hätte für Krichel noch mehr kontrapunktische Passagen wie im 3. Satz eingebaut, denn im Dialog mit seinen inneren Stimmen wirkt der Pianist noch ein wenig überzeugender als beim emphatischen Monologisieren und auch das Orchester bringt sich hier besonders vorteilhaft als zugleich feinsinniger und ausdrucksvoller Partner ins Spiel. Besser kommen Krichels Stärken im polyphonen Spiel und seine Lust an der Kombination von klaren lyrischen Linien mit flirrendem Figurenwerk in den „Moments musicaux“ op. 16, und hier besonders im eröffnenden Andantino, zum Tragen – das jeder schätzen wird, der Rachmaninow auch gerne mal halbtrocken statt bloß süffig genießt.

Carsten Niemann, 31.10.2015



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