Eine preisgünstige neue "Così" - aber keine für Arme. Bertrand de Billy, der künftige Chefdirigent des RSO Wien, hält Mozarts Liebeskarrussell ganz schön in Schwung, die Tempi tendieren zum Flotten, schon in der Ouvertüre mit ihrem hurtigen Staffettenlauf der Holzbläser wird aber elegant und wendig Musik gemacht, wo’s sonst leicht hektisch wird und atemlos. Die Secco-Rezitative bedienen sich des "authentischen" Fortepianos und treiben sprechend die Handlung voran, im Ensemble ist kein einziger Star, aber dafür ist es ein wirkliches Ensemble, sechs noch junge Sänger, die natürlich ihre Schwächen und Stärken haben, aber mit großer Spiellaune interagieren und ein in sich geschlossenes Zustandsbild schaffen: So kann’s passieren, wenn man mit der Liebe allzu leichtfertig umspringt.
Reizvollerweise gelingt am idiomatischsten der Drahtzieher des Liebesversuchs, Don Alfonso, der nicht dem europäischen Kulturkreis entstammt (Kwangchul Youn ist Koreaner), aber dennoch ein tadellos artikulierender, die Ironie und den Zynismus exakt dosierender Basso cantante ist. Schade, dass die beiden Frauen – Regina Schörg und Heidi Brunner – vokal lediglich durch ihre Tessitur und durch Stereoeffekte voneinander unterscheidbar sind: Zwei deutlich divergente Charaktere würden dem bunten Treiben mehr Tiefe verleihen.
Der Ferrando des Amerikaners Jeffrey Francis kämpft mit den üblichen Tenorfallen, wird in den Höhen nasal und setzt bisweilen zu tief an. Guglielmos Bariton ist cremig „rund“, Martin Gantner nach dem Koreaner Youl die stärkste Kraft dieser Aufführung. Allerdings bleibt auch Birgid Steinberger als Despina zu loben, ein intelligentes Kammerkätzchen, das den neckischen Domestikenklischees der Tradition wohltuend entsagt.
Rundum abzulehnen bleiben nur die eingestreuten Geräuscheffekte (Cafélärm, Vogelgezwitscher, Meeresrauschen usw.), die zusammen mit polterigen Schritten und schicksalhaftem Türepochen eine Bühnenaufführung mitten im Studio suggerieren – und das ist (hier) einfach albern. Soll aber keinen vom Kauf abschrecken. Da auch die Klangqualität gut ist, da die Balance Stimmen/Orchester überzeugt und da der Dirigent, der heißt wie ein Musketier der französischen Krone und zugleich wie ein Outlaw im Wilden Westen, sich als gewiefter Mozartianer zeigt, ist die Aufnahme zu dem Preis nur zu empfehlen. Weitere sollen folgen!

Thomas Rübenacker, 17.07.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top