Responsive image

First Album

CONtrust Jazz Orchestra

JazzHausMusik/NRW JHM237
(54 Min.)

Das Image von Dresden ist derzeit wirklich nicht das allerbeste. Wie gut, dass es da mit dem von dem Saxofonisten Paul Berberich gegründeten CONtrust Jazz Orchestra eine weltoffene Großformation gibt, die beweist, dass nicht alle Dresdner seltsam verbohrte patriotische Europäer sind.
Das CONtrust Jazz Orchestra feiert auf seinem Album-Debüt die kulturelle Vielfalt. Auf einen Stil will sich die mit einem Vibrafon, zwei Gitarren und einer Tuba besetzungstechnisch modifizierte Big Band nicht festlegen. Während sich „Lost“ und „Orpheus“, in dem man ein Didgeridoo zu hören vermeint, im Jazzrock-Idiom bewegen, nähert sich „Fahrt nach Vaxholm“ mit Klavier-Gaststar Julia Kadel dem klassischen Big-Band-Idiom mit seinen strahlenden Blechbläsern an.
„Cross Talking I+II“ hingegen weist mit seinen irritierend langen Pausen und dem wuseligen Geräuscheln der Instrumente in Richtung Free und Neuton, „Müde“ mit seiner ätherischen Trompete am Anfang und einem insistierenden Flageolett-Orgelpunkt als Totenglöckchen klingt nach Skandinavien. „The Traveller and The King“ gibt dem Ensemble die Gelegenheit, sich als wärmende Klangdecke für die Singer/Songwriterin Sandra Lötzsch (alias „Die Stadtmusikantin“) zu bewähren, bevor dem CONtrust Jazz Orchestra zum Schluss in der Nummer „Automorph“ eine klangmalerische Verwandlung in eine Fabrik widerfährt, in der Dampframmen unerbittlich ihren Dienst tun.
Der Name der Band ist Programm: Aus den stilistischen Kontrasten schafft die Dresdner Großformation auf der Grundlage des Vertrauens in die Fähigkeiten der unterschiedlichen Solisten und Komponisten eine wunderlich schillernde Einheit. Das Beispiel sollte auch außerhalb des Tonstudios Schule machen.

Josef Engels, 14.11.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top