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Tension/Release

Frederik Köster, Die Verwandlung

Tension/Release
(50 Min., 9/2014)

Mittlerweile steht der Trompeter Frederik Köster mit 38 Lenzen an der Schwelle zum reifen Mannesalter. Der Mann mit dem an der Klassik geschulten Ton hat seine Jazzsozialisation in der Kaderschmiede des BundesJugendJazzOrchesters unter Peter Herbolzheimer erfahren, und noch immer neigt er mit jugendlichem Selbstbewusstsein zu provokant bedeutungsschwangeren Projektnamen. Aber womöglich hat er ja gar nie eine Anspielung auf Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ im Sinn gehabt, wollte vielmehr auf die Wandelbarkeit seiner Musik im Rahmen eines klar umrissenen Programms hinweisen. Und dies ist ihm mit seinem neuen Album meisterlich gelungen. Als Trompeter fühlt er sich dem Powerplay eines Freddie Hubbard verpflichtet, als Komponist und Musikorganisator orientiert er sich auf diesem Quartett-Album an dem Miles Davis der kurzen Übergangsphase vom zweiten klassischen Quintett zur Fusion von Bitches Brew. Auf zwei der organisch angeordneten zehn Titel zitieren Joscha Oetz und Jonas Burgwinkel an Kontrabass und Schlagzeug explizit Figuren der Davis-Musiker Dave Holland und Jack DeJohnette. Doch trotz des Davis-Bezugs ist diese CD klar ein akustisches Album, auch wenn Pianist Sebastian Sternal zwischendurch am Fender Rhodes agiert und der Leader gelegentlich diskrete flächige Synthie-Sounds beimischt. Gerade Sebastian Sternal sorgt neben Kösters bläserischer Perfektion für das geschmacksichere Wandeln dieser Musik zwischen dem spezifischen Traditionsbezug und den Trends der Gegenwart; Neue Innerlichkeit kommt ebenso vor wie ausgebufft packende Rhythmik und – auf einem Track – anspruchsvolle Vertonung von Literarischem, bewegend vorgetragen von Sänger Tobias Christl. Allerdings wünschte man sich bei einem Gedicht von James Joyce, dass es im Booklet abgedruckt wäre.

Thomas Fitterling, 14.11.2015



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