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Alexander Aljabjew

Klaviertrio Es-Dur, Violinsonate e-Moll, Klavierquintett Es-Dur, Klaviertrio a-Moll

Beethoven Trio Bonn

CAvi/harmonia mundi, CAVI 8553338
(65 Min., 3/2015)

Diese Musik ist echt russisch – auch wenn sie nicht immer so klingt. Zwar wurde Alexander Aljabjew (1787 - 1851) im fernen Sibirien geboren, doch war er als Angehöriger der kulturellen und gesellschaftlichen Elite mitnichten von den aktuellen musikalischen Entwicklungen in den Musikhauptstädten Wien, Paris oder London abgeschnitten. Während Aljabjews berühmtestes Lied „Die Nachtigall“, das ihm den Beinamen eines „russischen Schuberts“ einbrachte, einen eindeutigen slawischen Ton anschlägt, so ist das kammermusikalische Werk des Gouverneurssohns und Klaviervirtuosen aus Tobolsk sehr viel stärker von Beethoven, aber auch von modischeren Zeitgenossen wie dem international erfolgreichen Johann Ladislaus Dussek beeinflusst. Die Souveränität, mit der Aljabjew diese Einflüsse aufnimmt und zu einem vorromantischen Personalstil formt, lässt ihn als einen der interessantesten russischen Kammermusikkomponisten vor Glinka erscheinen und rechtfertigt die Ersteinspielung der vorliegenden Stücke vollauf. Von dem salonmusikalischen Ton, den sein Instrumentalwerk dabei jedoch auch prägt, kann er sich allerdings nur in dem reifen Grand Trio in a-Moll sowie teilweise auch in der um 1834 entstandenen Sonate für Violine und Klavier lösen; diese beiden Werke warten dann auch mit volksmusikalisch inspirierten Schlusssätzen auf, in denen die Interpreten geschickt den Eindruck von wilder Ausgelassenheit erzeugen, ohne selber derb zu werden. Den recht stark von virtuosen Klavierfigurationen überzuckerten früheren Werken hätte die Verwendung eines historischen Flügels gutgetan, dessen unterschiedlichen Registerfarben Aljabjew vermutlich einkalkulierte. Davon abgesehen finden das blitzsauber aufspielende Beethoven Trio Bonn und seine Mitstreiter jedoch zu einer durchgehend fesselnden Balance von Emotion und Eleganz.

Carsten Niemann, 28.11.2015



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