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Recondita Armonia

Pablo Held

Pirouet/NRW PIT3085
(45 Min., 6/2014)

Seit zehn Jahren bildet das Trio des knapp 29-jährigen Pianisten Pablo Held eine organische Einheit. Nicht nur er, der Materialbeschaffer, sondern auch seine Partner Robert Landfermann am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug sind Virtuosen der Kunst des Weg-lassen- und Warten-Könnens. Live spielen sie die offen gehaltenen Kompositionen des Leaders ohne vorherige Programmabsprache in durchgehenden Sets. Seit geraumer Zeit schon hatten die drei den Wunsch, ein eher balladeskes Album einzuspielen. Als es dann Held immer stärker danach drängte, sich einmal intensiv den Stücken des klassischen abendländischen Repertoires zu widmen, die ihn tief prägten, war die Idee zu diesem Album geboren. Für Held kamen für dieses Projekt nur Kompositionen in Frage, die dem Sound seines Trios nahe stehen; klassische Werke, die in ihren Interpretationen quasi in Stein gemeißelt sind, dagegen waren tabu. Es findet sich hier also weniger bekanntes Material von Tournemire, Rachmaninow, Mompou, Skrjabin, Bartók, Strawinski, Hindemith und Puccini.
Held hat es sich auf wunderbare Weise anverwandelt und organisch in das offene Spiel des Trios integriert. Nie kommt der Eindruck einer „Verjazzung“ auf; vielmehr vollzieht sich in jedem der acht Titel, was sich sonst bei den dreien in einem live Set ereignet: Lange kristallin artikulierte Klaviertöne reihen sich tastend zu affirmativer Motivik, werden in diesem einkreisenden Prozess von den Klängen des Schlagzeugs unterstützt und befördert durch überragend intonationssichere Impulse des Kontrabasses – all dies in ebenso schlafwandlerisch sicherer wie behutsamer Interaktion. Puls verdichtet sich dabei zu feingliedrig tänzelnder Metrik, um dann wieder nur als energetisches Metrum spürbar zu sein. Dieses Album nimmt einen mit auf eine beglückende Reise durch entrückte Aggregatzustände der Neuen Innerlichkeit.

Thomas Fitterling, 28.11.2015



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