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Red and Gold

Come Shine

Jazzland/Edel 1074258JZL
(48 Min., 8/2013)

Es ist kein ehernes Gesetz, dass Jazzklassiker in swingende Nummern weiterverwandelt werden müssen. Das Quartett „Come Shine“ jedenfalls hält sich nicht an diese Konvention. Stattdessen knüpfen der Pianist Erlend Skomsvoll, der Bassist und Gitarrist Sondre Meisfjord und der Schlagzeuger Håkon Mjåset Johansen an die dunkle, rhythmisch differenzierte Klangwelt des Esbjörn Svensson Trios an. So bleibt das Jazzfeeling mit Rhythmen und Sounds aus Pop-Produktionen verknüpft, zumal Skomsvoll nicht nur Klavier spielt, sondern auch mit popmusikalischer Freude an Klangfarben Hammond-Sounds und Harmonium einsetzt. Die Sängerin Live Maria Roggen interpretiert die alten Songs mit heller, präzis-dünner, weltentrückter Stimme. Wie eine Liedermacherin rückt sie den Inhalt der Texte ins Zentrum und vermeidet es gleichzeitig durch vornehme Zurückhaltung, sie im Geflecht der Band überzubetonen. Der Bandname spielt auf den Titel des Jazzstandards „Come Rain or Come Shine“ an, der in einer blasiert rockig swingenden Version die Disc eröffnet. Leonard Bernsteins „Somewhere“ holen sie in die Atmosphäre der aktuellen Rockmusicals, arrangieren den Instrumentalpart allerdings wesentlich attraktiver. Jerome Kerns „Can’t Help Lovin‘ Dat Man“ erhält Bluesqualitäten, und Johnny Cashs „The Man Comes Around“ behält das angemessene Country-Feeling. „I’ll Be Seeing You“ und „My One and Only Love“ werden zu melancholischen Balladen, „Autumn Leaves“ erinnert an Weill´sche Revuesongs. Die Percussionsunterlage zu Duke Ellingtons „In A Sentimental Mood“ erinnert an Filmmusiken durch exotische, eventuell gefährliche Gegenden, und in Miles Davis´ „Blue In Green“ begegnen sich ein wuchtiger Untergrund und darüber driftende Kurzmelodien. Diese Neuinterpretationen holen die alten Songs in die Gegenwart, ohne ihre Substanz zu zerstören. Der Tabubruch hat sich gelohnt.

Werner Stiefele, 12.12.2015



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