Responsive image

Ten Songs About Real Utopia

Daniel Erdmann, Samuel Rohrer

Arjunamusic/Kompakt AMAC707CD
(39 Min., 6 & 9/2014)

Das Quartett des Tenorsaxofonisten Daniel Erdmann (42) und des Schlagzeugers Samuel Rohrer (38) steht für eine Weiterentwicklung der vom Jazz geprägten Improvisationsmusik Berliner Prägung der Nullerjahre. An der Gitarre ist mit Frank Möbus (49) einer der wichtigsten Vertreter der Hauptstadtszene aus der Nach-Wende-Aufbruchszeit, und der französische Cellist Vincent Courtois fügt sich trefflich in diese Band des internationalen Avantgardismus europäischer Prägung. Alle Ensemble-Mitglieder haben renommierte Studiengänge durchlaufen und sind nun zum Teil selber Professoren, doch nie klingt ihre Musik nach andächtigem Nachbeten des Jazzkanons. Schon seit Jahren finden sich die vier Musiker, der Meister der post-coltraneschen Saxofonkunst, der Jongleur punkig verhauter und dann wieder ausgebufft pulsierender Rhythmik, der Großmeister hintergründig abgedrehter harmolodischer Gitarren-Sounds und der Virtuose des Strichs bohrend sägender Insistenz und unerwartet kantilenischen Schmelzes, zu diesem Bandprojekt zusammen. Jetzt haben sie ein Programm eingespielt, das sich in jeweils vier Titeln von Erdmann und Rohrer, in einem Beitrag von Courtois und einer Kollektiv-Komposition der Thematik der Entfremdung und ihrer Überwindung durch „reale Utopien“ widmet. Der strukturelle Hintergrund der einzelnen Titel wird nicht erläutert, doch er sorgt dafür, dass die Stücke als in sich geschlossene Miniaturen ihre Wirkmacht entfalten, wobei sich Geschriebenes und Improvisiertes in einer durchgehenden Gruppendramaturgie vital durchdringen. Ob verquer trashig oder drängend hymnisch, stets ist um diese Musik etwas mitreißend Songhaftes. Man mag die Kürze der Einspielung bedauern, doch die Länge passt genau zur inneren Spannung des Gesamtablaufs; Überdruss kommt so nicht auf, und das Programm passt genauso auch auf eine LP – die unter AMAC-LP707 zu erhalten ist.

Thomas Fitterling, 19.12.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten von Johannes Brahms, dass er sich aus notorischem Selbstzweifel mit manchen Gattungen seiner Zeit so schwer getan hat. Andererseits war dadurch auch seine Kreativität herausgefordert, eigene Wege zu beschreiten. Am 18. Februar 1869, also vor fast genau 150 Jahren, wurde nach langen Umstellungen und Ergänzungen sein „Deutsches Requiem“ uraufgeführt. Erst auf den zweiten Blick offenbart das Werk, das dem 33-jährigen den Durchbruch verschaffte und bis […] mehr »


Top