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Michael Sagmeister

Acoustic Music/Rough Trade 31915502
(73 Min., 9/2015)

Er war noch keine zwanzig Jahre, als sich seine Debüt-Langspielplatte innerhalb eines Jahres mehr als 20.000 Mal verkaufte und er als Nachfolger des Gitarristen Volker Kriegel gehandelt wurde. Seitdem hat der 1959 geborene Michael Sagmeister seinen festen Status als musician’s musician inne: einer, den man in der Branche schätzt, der aber nie zum permanent durch die großen Säle tourenden Publikumsmagneten wurde. Wohl aber ernannte ihn die Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst 1999 zum ordentlichen Professor. In all den Jahren hat er sich den Moden verweigert und blieb konsequent, was er ist: ein virtuoser Gitarrist zwischen Jazz und Rock, der über die seltene Gabe verfügt, aus einfachen Themen lange Melodien abzuleiten, diese scheinbar mit Akkorden oder kurzen Pausen zu durchbrechen, sie dann aber – als sei nichts geschehen – wieder aufzunehmen und fortzuspinnen. Die großen Alten – Wes Montgomery, Joe Pass und Pat Martino – spielten so: eine Rarität in der kurzatmigeren Gegenwart. Bei dieser Art von Musik sind der Bassist Stefan Engelmann und der Schlagzeuger Michael Küttner ideale Sidemen: Der eine sorgt mit sonorem Klang für ein stabiles Fundament, und der andere übernimmt mit solidem Beat und reaktionsschneller Kommunikation mit Sagmeister eine Doppelfunktion, indem er die Basis legt und als Dialogpartner agiert. Rock, Brazil und Jazz verbinden sich in den sieben Eigenkompositionen Sagmeisters sowie vier Coverversionen zu einer beschwingten Scheibe mit eleganter, unaufdringlicher Melodieführung fernab aller spektakulärer Gimmicks und voll von sensiblem Spielwitz. Eben einer jener Scheiben, die man einmal in den Player legt und dann immer wieder darauf zurückgreift, weil sie zeitlos schön sind.

Werner Stiefele, 19.12.2015



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