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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 21 C-Dur KV 467, Nr. 19 F-Dur KV 459

Matthias Kirschnereit, Bamberger Symphoniker, Frank Beermann

Arte Nova 74321 87147 2
(54 Min., 7/2001) 1 CD

Géza Anda, dem großen Mozartspieler, widmet Matthias Kirschnereit seine Interpretation des C-Dur-Konzertes KV 467. Damit lenkt er den Hörer natürlich auf eine Fährte, doch eine Stilkopie liefert er uns nicht. Anda hat dieses Werk herber gespielt als die vielen Kollegen, die darin ein vielleicht allzu strahlend-positives C-Dur-Fest nach der Überwindung der moll-Düsternis des Schwesterwerkes KV 466 feiern. Schon von Beginn an signalisierte Anda ernste Reserve. Nicht einmal die unausgeschriebenen, zu improvisierenden Solo-Eingänge führte er aus.
Ganz so streng ist Kirschnereit nicht, aber er folgt Anda darin, der Linken Impulse zu entlocken, die verraten, dass diese überhelle C-Dur-Atmosphäre so ungetrübt nicht ist. Schon im g-Moll-Nebengedanken und erst recht gegen Ende der Exposition hören wir das beunruhigende Rumoren untergründiger Chromatik, das auf die Moll-Sphäre vorweisen zu scheint, die Mozart in der Durchführung ausgiebig erkundet. Wenn Kirschnereit beim ersten Seitenthema im Finale die simpel akkordbrechende Linke so nachdrücklich rasseln lässt, forciert er dieses Hineinlauschen ins Fundament aber für mein Gefühl etwas.
Die Qualität dieses Mozartspiels liegt allerdings ohnehin nicht in der Duftigkeit mühelos hingeperlter Sechzehntelschleppen. Das können andere brillanter. Kirschnereit sucht nach Kanten und Brüchen in dieser virtuos parlierenden Partitur. Manchmal - etwa im choralhaften Abgesang des Finale-Seitengedankens - opfert er die oft so konfliktlos dargebotene Schönheit einer etwas heiklen, eigenwilligen Phrasierung. Der Mittelsatz, oft missbraucht, fließt aber in bewunderungswürdig schlichtem, ungekünsteltem Gesang. Schade nur, dass das Orchester hier etwas knöchern-steif agiert.
Möge der junge Pianist, der so gar nicht gefallsüchtig in der Partitur verschwindet, seine Reise durch die Konzerte so uneitel fortsetzen.

Matthias Kornemann, 31.01.2002



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