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Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Jean Philippe Rameau

Schubert & Beethoven Live

Grigory Sokolov

DG/Universal 479 5426
(138 Min., 5/2013 & 8/2013) 2 CDs

Wenn man Frisur-Reste, altmodisch rundliche Figur und Medienabstinenz von Grigory Sokolov recht bedenkt, so handelt es sich bei ihm um einen PR-Schreck erster Güte. Durch Solo-Auftritte allein hat er seinen Kult-Status begründet. Nur: Verlässlicher als Live-Eindrücke ist überhaupt nichts! Vom legendären Ruf profitiert auch dies neuerliche Live-Recital bei der DG, bestehend aus zwei – offenbar autorisierten – Mitschnitten aus Warschau und Salzburg 2013.
Die Neigung zu auratischem Hämmern, die man gelegentlich bei ihm beobachtet, ist hier kaum anzutreffen. Klassisch ausgeglichen folgt Sokolov bei Beethovens „Hammerklaviersonate“ seinem Idol Emil Gilels, der dieses Werk in Stein zu meißeln liebte. Ähnlich Sokolov, der die Partitur indes, anstatt in Erz zu graben, weit lichtvoller gestaltet und stärker aufhellt als sein großer Vorgänger.
Bei Schuberts Impromptus D. 899 und den späten Klavierstücken D. 946 bleibt Sokolov der russischen Vorliebe zur Schubert-Tiefgründelei stärker treu. Allerdings sind ihm weder gedankliche Überfrachtung noch klangliche Verschattung vorzuwerfen. Er versteht es, Schuberts Stücke – noch einmal! – zu lichten, ohne sie zu erleichtern oder trivial erscheinen zu lassen. Hohe Schule!
Berühmtheit hat Sokolov auch durch die stets exzessive Anzahl von Zugaben erlangt. Eine kleine Rameau-Mission äußert sich hier in gleich fünf als melancholische Neujahrs-Raketen dargebotenen „Pièces de clavecin“. Brahms’ Intermezzo op. 117, Nr. 2 wird in seiner idyllischen Vorläufigkeit als Zwischenspiel frappierend deutlich. Daniel Barenboim, der Sokolov als derzeit „besten Pianist von allen“ anpries, hat ganz Recht.

Robert Fraunholzer, 23.01.2016



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