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Sergei Tanejew, Alexander Glasunow

Streichquintette

Gringolts Quartett, Christian Poltéra

BIS/Klassik Center BISSACD-2177
(66 Min., 12/2014) SACD

Es sind nicht nur die ausgezeichnete Interpretation und deren optimale Konservierung durch einen ausgezeichneten Tonmeister, die diese CD zum Genuss machen. Es ist zu gleichen Teilen auch die Adaption eines Repertoires, das hierzulande bisher nicht allzu bekannt sein dürfte. Das liegt daran, dass die russische Musik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei uns eher mit den Protagonisten des „mächtigen Häufleins“ – Rimski-Korsakow, Borodin oder Mussorgski – konnotiert ist. Während diese von Anfang an ihr Hauptaugenmerk auf die Entwicklung eines russischen Nationalstils richteten, verfeinerten die beiden hier porträtierten Komponisten Glasunow und Tanejew ihre Kompositionskunst zunächst nach dem Vorbild der westlichen Musik. Auf dieser breit angelegten handwerklichen Basis erarbeiteten sie sich dann ein „russisches Idiom“.
Diese äußerst fruchtbare Verbindung der großen alten westlichen Tradition mit nationalen Elementen führt zu einem Klangbild von ganz eigener, aufregender Qualität: Frisch und kraftvoll teils in eigenwilligem melodischen Gewand kommt diese Musik daher, mal sanft schmeichelnd wie am Beginn von Glasunows A-Dur-Quintett, mal zu großer dramatischer Geste aufbrandend wie im ersten Satz des Tanejew-Quintetts. Eine fesselnde Hörerfahrung, die durch das Spiel des Gringolts Quartetts, ergänzt um Christian Poltéra am zweiten Cello, in erstklassiger Weise vermittelt wird: Ein satt-sonorer, gleichzeitig sehr tiefenscharfer Klang lässt den Hörer die Werke quasi aus der Mitte des Geschehens heraus erleben – man fühlt sich ganz eingehüllt in eine seltsam unvertraute, aber ungeheuer ansprechende Musik.

Michael Wersin, 06.02.2016



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