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Jan Dismas Zelenka

Psalmi Vespertini I

Ensemble Inégal, Prager Barock Solisten, Adam Viktora

Nibiru/Klassik Center NIB01612231
(79 Min., 10/2015)

Adam Viktora und seine Prager Musiker beginnen mit diesen „Psalmi Vespertini I“ offensichtlich eine Gesamtaufnahme der Vesperpsalmen Jan Dismas Zelenkas: Insgesamt 33 große konzertante Psalmvertonungen hat der am Dresdner Hof beschäftigte Böhme ab 1725 geschaffen, und die ersten sechs davon zuzüglich einer Überarbeitung seines schon früher entstandenen „De profundis“ (Psalm 130) hören wir auf dieser CD.
Viktora und seine handverlesenen Mitstreiter gehen die hochvirtuose Kirchenmusik im konzertierenden Stil mit der gewohnten Präzision an, gepaart mit makellosem Wohlklang: Unter den Solisten stechen etwa der Tenor Tobias Hunger und der Bassist Lisandro Abadie hervor; beide erfreuen mit vollkommen störungsfreier, vibratoarmer Wiedergabe ihrer teils intrikaten Koloraturpassagen. Spektakulär ist der eigenwillige Beginn des „De profundis“, dem Psalmbeginn („Aus der Tiefe ….“) entsprechend mit drei Bassisten besetzt.
Insgesamt zeichnet sich Viktoras Interpretationsstil durch eine bemerkenswerte Unaufgeregtheit auch im dichtesten Getümmel aus: Mit „laid back“ ist diese Herangehensweise wohl am treffendsten zu bezeichnen. Im Blick auf das Endergebnis darf gesagt werden, dass durch Viktoras entsprechende Führung ein sehr entspanntes Musizieren möglich ist – hin und wieder möchte man sagen: vielleicht ein wenig zu entspannt. Denn bei aller Vollkommenheit macht sich gerade dort, wo ein gewisses Maß an hochbarocker Dramatik erwünscht wäre, eine leichte Blässe bemerkbar, die vielleicht durch einen beherzteren Zugriff auf sprachlicher Ebene zu beseitigen wäre.

Michael Wersin, 06.02.2016



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