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53rd Street

Robert Kaddouch, Gary Peacock

Odradek Records/in-akustik 028507
(60 Min., 7/2015) 1 CD

Nein, gute Musik braucht weder Eile noch ein Übermaß an Tönen. Es genügt, wenn sich zwei Musiker mit überlegt und sparsam gesetzten Tönen begegnen, wenn sie aufeinander hören, aufeinander warten, einander antworten, sich zusammenfinden, sich trennen. Dann entstehen Assoziationsketten, Gedankenflüsse, kleine Geschichten voll von Fragen, Antworten, Suchen und Bestätigungen. Der in Marokko geborene und seit seinem Studium in Frankreich lebende Pianist Robert Kaddouch und der amerikanische Kontrabassist Gary Peacock führen auf ihrer Duoscheibe solch intensive Dialoge. Zwei eigene Stücke hat Kaddouch mitgebracht: „53rd Street“ und „Agile“. Die wirken so vertraut wie das übrige Repertoire, darunter die Jazzklassiker „A Foggy Day“, „Lover Man“, „On The Sunny Side Of The Street“ und „What Is This Thing Called Love“. Sind die Themen erst einmal vorgestellt, erfinden die beiden Varianten der Melodie, die sich von der Vorgabe weit entfernen ohne sie zu verleugnen. In kleinen Wendungen bleiben die Ursprungsthemen präsent, tauchen aus dem Hintergrund auf und sind bestens in die neuen, für sich selbst tragfähigen Melodien eingebettet. Selbst das tausendfach gehörte Weihnachtslied „Jingle Bells“ wirkt hier neu, und das französische „A la claire fontaine“ und das jüdischen Festtagslied „Ani Purim“ behandeln sie, also improvisierten sie über Jazzstandards. So intensiv, selbstverständlich und frei von individuellen Profilierungsansätzen wie dieses Duo zu kommunizieren, ist eine hohe Kunst.

Werner Stiefele, 06.02.2016



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