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Space Squid

Bill Stewart

Pirouet/NRW PIT3089
(62 Min., 9/2014)

Der Schlagzeuger und Komponist Bill Stewart feiert im Herbst seinen 50. Geburtstag, und er ist vielleicht der prominenteste Vertreter einer Generation von Schlagzeugern, für die es in der Nachfolge von Max Roach, Tony Williams oder Paul Motian ganz selbstverständlich ist, auch als ernst zu nehmende Komponisten zu gelten. Mit jeder seiner Einspielungen als Leader hat Stewart seine herausragende Stellung als origineller Musikentwerfer- und -ermöglicher unter Beweis gestellt. Für sein neuestes Projekt hat er, das Hörwunder am Schlagzeug und der Ausbund rhythmisierter klangmelodischer Vielfalt, Kollegen verpflichtet, mit denen ihn jahrzehntelange gemeinsame Musiziererfahrung verbindet: Mit Kontrabassist Ben Street sorgt Stewart in der Band des Gitarristen John Scofield für ausgebuffte Grooves; mit dem Pianisten Bill Carrothers, dem Meister Neuer Innerlichkeit und zupackender Lakonik, verbindet ihn eine fast symbiotische Sensibilität, und mit dem Saxofonisten Seamus Blake kommt ein Musiker ins Spiel, der immer wieder auch an Wayne Shorter erinnert.
Für diese Besetzung hat Stewart ein abwechslungsreiches Programm aus zehn Originals geschrieben. Sie alle suggerieren Offenheit im Sinne des „Without A Net“-Programms des Wayne-Shorter-Quartetts und erinnern gleichzeitig an vertraute Formen – doch die nehmen augenzwinkernd unerwartete vertrackte Wendungen und erweisen sich dabei bis in die einzelnen Soli hinein als ideal komplementär für Stewarts feinsinniges, komplexes und raffiniert implodierendes Schlagzeugspiel. Dieses Prozedere kann leichten Herzens auf Drum-Features verzichten und sich einen gelassen ruhigen Ausklang mit einem Standard leisten. Schade, dass der einmalig fesselnde Beckenklang nur für das Hören mit Kopfhörer großartig eingefangen ist, über Lautsprecher fehlt etwas vom faszinierenden Biss.

Thomas Fitterling, 13.02.2016



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