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Into The Silence

Avishai Cohen

ECM/Universal 4759435
(53 Min., 7/2015)

Bei den ersten Tönen könnte man denken, Miles Davis blase eine melancholische Ballade. Weit gefehlt: Wer hier mit einer ähnlichen Mischung aus Brüchigem und Strahlkraft Trompete bläst, ist Avishai Cohen. Das Klavierspiel von Yonathan Avishai wurzelt zudem weniger im Blues, sondern eher in der europäischen Konzertmusik, während Eric Revis und Nasheet Waits an Bass und Schlagzeug durchaus in der Traditionslinie des amerikanischen Jazz der 1960er stehen. Im einleitenden „Life and Death“ schweben die Töne des Quintetts in langen melodischen und rhythmischen Bögen, verdichten sich gelegentlich und wehen sanft aus den Instrumenten: eine in sich ruhende, gegen alle Aufregungen abgeschirmte Meditation. Im folgenden „Dream Like A Child“ mischt er sich erst nach mehr als der Hälfte der fünfzehn Minuten zusammen mit dem Tenorsaxofonisten Bill McHenry behutsam ins Triogeschehen: ebenfalls eine in sich ruhende Nummer. „Into The Silence“ beginnt mit verstörenden Dissonanzen über einem unruhigen Schlagzeugpuls und dreht sich in eine schwebende, Klangtupfer und kleine Melodien verbindende Improvisation – Avishai Cohens Abschied von seinem acht Monate vor der Aufnahme gestorbenen Vater. Mit „Quiescene“ und dem etwas bewegteren „Behind The Broken Glass“ setzt sich diese von innerer Harmonie geprägte Grundstimmung fort, bis sich schließlich mit einem Klaviersolo „Life and Death – Epilogue“ der Bogen zum Anfang schließt – auch ein Zeichen für das Formempfinden dieser Musiker, die sich in allen Stücken Zeit lassen, aufeinander hören und reagieren und sich in dramaturgisch geschickt gewählten Momenten zu Höhepunkten steigern.

Werner Stiefele, 13.02.2016



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