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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Francis Caporale, Johann Galliard

Sonaten

Kristin von der Goltz, Andreas Küppers

Raumklang/harmonia mundi RK 3302
(68 Min., 9/2013)

„A Tribute To G. F. Handel“ haben die Produzenten vorsichtigerweise auf das Cover von Kristin von der Goltz‘ neuem Album geschrieben, doch eigentlich dürfte der Name der herausragenden Barockcellistin für sich allein stehen. Und auch wenn die auf dieser CD vorgestellten Komponisten Francis Caporale und Johann Ernst Galliard in Händels Orchester spielten, sagt das wenig über den Reiz ihrer Kompositionen aus. Blickte man nur auf ihre hinterlassenen Noten, dann könnte man sie zu den besseren Kleinmeistern ihrer Epoche rechnen – und übersähe zugleich das Wichtigste, was es an ihnen zu entdecken gilt. Denn die galant angehauchten Sonaten der beiden komponierenden Virtuosen lassen bei aller Sauberkeit der Arbeit bewusst oder unbewusst noch stets Raum für die schöpferische Fantasie ihrer Interpreten. Kristin von der Goltz´ Interpretation ist daher auch kein Rekonstruktionsversuch vergangener Aufführungen: Ihr kerniger, angerauhter aber ungemein farbenreicher Ton sowie ihr sprechendes, aber gleichwohl poetisches Spiel entsprechen kaum der „süßen und singenden“ Qualität, die Caporales Darbietungen fast ausschließlich ausgezeichnet haben soll. Und doch gelingt es ihr, die beiden Musikerpersönlichkeiten auf ihre Weise neu zu erfinden: Die einfachsten melodischen Wendungen veranlassen sie zum sinnenden Träumen, und selbst den nicht übermäßig schwierigen eingestreuten Läufen oder Arpeggien verleiht sie die Anmutung lustvoller Virtuosität. Belebt wird das Bild Galliards und Caporales durch die unaufdringliche Verzierungskunst der beiden Interpreten, wobei Andreas Küppers auf Cembalo, Orgel und dem aparten Lautencembalo auch noch kurze improvisierte Einleitungen beisteuert, wie sie zu Händels Zeit durchaus üblich waren. Das Ergebnis ist ein musikalischer Vexierspiegel, der uns unsere eigenen Emotionen im Gewand früherer Zeiten vorführt – und umgekehrt.

Carsten Niemann, 20.02.2016



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