home

N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Responsive image

Curiosity

Kaleidoscope String Quartet

Traumton/Indigo 111322
(46 Min., 10/2014)

Dem Verhältnis von Streichinstrumenten zum Jazz wohnt eine natürliche Problematik inne: Das Klang- und Tonbildungsideal im Jazz ist der expressive Bläsersound mit seiner in den Ton gleitenden oder ihn nach oben oder unten ziehenden Intonation. Auf einem gestrichenen Saiteninstrument wirkt das schnell entnervend. Wer kennt nicht die gestrichenen Kontrabasssoli, bei denen selbst gepriesene Meister dieses Instruments kläglich scheitern. Die kleiner mensurierten Instrumente eines Streichquartetts wiederum werden meist gestrichen, und so potenziert sich diese jazztypische Streicherproblematik; selbst so wegweisende Ensembles wie das Kronos Quartet oder das radio.string.quartet entgehen ihr mitunter nicht. Mit seinem zweiten Album „Curiosity“ wagt sich das Schweizer Kaleidoscope String Quartet erneut auf das verminte Terrain. Simon Haggendorn, Ronny Spiegel, David Schnee und Solme Hong sind gestandene Mitt-/Enddreißiger, bestens beschlagen und beleumundet in den Genres Klassik, Jazz und auch Rock. Primarius Heggendorn ist der Hauptkomponist, nur zwei der neun Titel stammen vom Bratscher David Schnee. „Wir komponieren eher aus der Perspektive des Musikers und des Publikums und erheben nicht den Anspruch, Avantgarde zu sein“, lautet ihr Bekenntnis. Das Ergebnis ist eine äußerst vergnügliche und intelligente Musik, die ohne Gefälligkeitsgesten über die eingangs beschriebene Problematik erhaben ist. Es klingt, als fröne ein überzeugter neutönerischer Komponist seiner heimlichen Liebe zur tiefrgündig changierenden harmonischen Farbigkeit in Rifftechnik und einer abwechselnd allen Solisten auf den Leib geschriebenen, logisch diskursiven Linearität. Das erzeugt sequenzierte Spannungswellen oder verschlungene, doch stets transparente Schichtungen – und ist keinen Augenblick langweilig.

Thomas Fitterling, 05.03.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sanfter Umbruch: Die Jahre als Kapellmeister beim Fürsten Ésterhazy weiß Joseph Haydn als Experimentierfeld zu nutzen. Das zeigen nicht nur seine fast planvollen Erprobungen im Bereich der Sinfonie, deren weltweit geschätzter Könner er werden wird, sondern auch die solistischen Einsätze und in diesen Jahren entstandenen Solokonzerte. Wie auch Mozart kannte Haydn die Solisten, für die er schrieb alle persönlich, es waren meist seine Kollegen in der Hofkapelle. Die beiden überlieferten […] mehr


Abo

Top