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Pocket Rhapsody

Frank Woeste

ACT/Edel 1095872ACT
(55 Min., 1/2014)

Vor zehn Jahren fragten wir uns anlässlich des vielversprechenden Trio-Debüts von Frank Woeste, wohin die Reise des aus Hannover stammenden Pianisten noch gehen wird. Inzwischen wissen wir es: Er hat sich in seiner Wahlheimat Paris zu einem gefragten Begleiter von Größen wie Michel Portal, Ibrahim Maalouf oder Youn Sun Nah gemausert.
In Deutschland ist Woeste freilich immer noch der gleiche Geheimtipp wie vor einer Dekade. Das sollte sein Einstand bei ACT, das seit einiger Zeit den jungen französischen Jazz ins Visier genommen hat, ändern. Gemeinsam mit den US-Amerikanern Ben Monder an der Gitarre und Justin Brown an den Drums als Grundgespann zeigt Woeste auf „Pocket Rhapsody“ seine erstaunliche Vielsprachigkeit.
Eigentlich ist die Albumeröffnung „Terlingua“ ja einer texanischen Geisterstadt gewidmet. Man ist jedoch geneigt, aus dem Titel einen Verweis auf Woestes trilinguale Begabung herauszulesen: Der Pianist switcht mühelos zwischen den verschiedenen musikalischen Welten der Klassik des frühen 20. Jahrhunderts, des modernen Piano-Trios sowie des mit Synth-Bässen und flirrenden Rhodes jonglierenden Fusionjazz. Das Ergebnis sind Kompositionen, die immer wieder überraschen. Da verwandelt sich das nordafrikanisch angehauchte „Nouakchott“ in eine Led-Zeppelin-Nummer mit grimmiger Rockgitarre, da wechselt „Buzz Addict“ munter zwischen Steve Reich, atemberaubenden Drumintermezzi und Klavierromantik.
Die Gäste – Violinistin Sarah Nemtanu, Cellist Gregoire Korniluk, Trompeter Ibrahim Maalouf und Sängerin Youn Sun Nah – vertiefen Woestes Klassik-Jazz-Amalgam oder weiten es sogar noch aus. Vor allem Ibrahim Maaloufs muezzinartiges Trompetenspiel bringt eine ganz eigene Färbung in Woestes Westentaschen-Rhapsodien. Bleibt zu hoffen, dass nicht erneut zehn Jahre vergehen, bis man von dem Pianisten in seiner Heimat wieder hört.

Josef Engels, 12.03.2016



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