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Johann Sebastian Bach

„Imagine“ – Cembalowerke (Suite BWV 997, Sonate BVW 964, Italienisches Konzerte u.a.)

Jean Rondeau

Erato/Warner 25646 22009
(80 Min., 6/2014)

Als Cembalist sein diskografisches Debüt mit Bach zu geben, ist nicht unbedingt ausgefallen. Doch interessant wird es wie im Fall des Franzosen Jean Rondeau erst, wenn man aufs Programm schaut. Na gut: Mit dem „Italienischen Konzert“ hat der 25-jährige Ex-Student von Blandine Verlet einen Repertoire-Reißer aufgenommen. Dagegen hört man die von Lautenisten begehrte Suite BWV 997 genauso wenig alle Tage auf dem Cembalo wie Wilhelm Friedemann Bachs Bearbeitungen einiger Violinwerke seines Vaters. Und als vielleicht größte Überraschung spielt Monsieur Rondeau (was für ein Name!) außerdem die Mammut-„Chaconne“ in der Brahms-Fassung! Moment mal, wird man sich fragen: Die ist doch von Brahms für nur die linke Klavierhand eingerichtet worden? Die Antwort gibt Rondeau in seinem lesenswerten, informativen, aber nie akademisch verkopft formulierten Booklet-Text: „Ich habe es mit der linken Hand allein versucht, aber man verliert zu viel von der harmonischen Struktur.“ Daher belebt und erkundet Rondeau nun mit seinen zehn Fingern diese Großarchitektur mit ihren kleinen verwunschenen Nischen und ergreifenden Durchblicken – wobei er das Stimmengeflecht prägnant herausarbeitet, ohne dem höchst belebenden Elan zu schaden.
Dass Rondeau zudem bei einer solchen Koryphäe wie Olivier Beaumont gelernt hat, der für einen enorm körper- und resonanzreichen Cembaloklang steht, hört man dem ganzen Album an. Ausgewogene Eleganz bestimmt die Suite BWV 997. Schwungvolle Vitalität und kostbare, wie improvisiert wirkende Gedankengänge wechseln sich in der Sonate BVW 964 sowie in der (Flöten-)Partita BWV 1013 miteinander ab. Und was für einen Spaß muss Rondeau wohl gehabt haben, als er den Eröffnungssatz des „Italienischen Konzerts“ mit solchem Drive auflud. So gelungen können Bach-Debüts ausfallen.

Guido Fischer, 19.03.2016



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