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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Evolution

Dr. Lonnie Smith

Blue Note/Universal 4761898
(64 Min.)

Nach Wayne Shorter, Charles Lloyd und Bobby Hutcherson feiert nun der vierte altgediente Recke seine Rückkehr zum Blue-Note-Label: Fast ein halbes Jahrhundert nach seiner letzten Einspielung für die Plattenfirma lässt Dr. Lonnie Smith wieder seine Hammondorgel für Blue Note fauchen. Der Name des Albums ist Programm: Auf „Evolution“ stellt der selbsternannte Doktor gewissermaßen die Entwicklung der afroamerikanischen Musik vor – stets tanzbar und gleichzeitig sehr persönlich, mit Rückgriffen auf eigene Stücke und einstige Weggefährten wie beispielsweise Saxofonist Joe Lovano.
Smith spannt den Bogen vom afrikanischen Mutterland, das er in der „African Suite“ mit Stammesrufen und funky Elefantentröten heraufbeschwört, über Monk („Straight No Chaser“ als Hochgeschwindigkeitsswing), Trane („My Favorite Things“ mit einem majestätischen orchestralen Intro) und Miles (immer wieder schimmert in den Stücken auf „Evolution“ etwas von „Bitches Brew“ durch) bis hin zum Space-Jazz. Womit er topaktuell ist, wie der Erfolg des hippen Epigonen Kamasi Washington zeigt.
Im Gegensatz zu Washington war Smith allerdings an der Entstehung des schrägen Funk- und Souljazz der frühen 70er Jahre höchstselbst beteiligt. Das beweist der inzwischen 73-Jährige mit viel Noblesse bei der Eröffnungsnummer von „Evolution“: „Play It Back“ stammt ursprünglich von der 1970 gemeinsam mit George Benson aufgenommenen Platte „Live At Club Mozambique“.
In der neuen Version lässt Smith zwei Schlagzeuger und eine James-Brown-Funkgitarre zum Einsatz kommen, einen Hardbop-Bläsersatz das Thema inszenieren und greift erst solistisch ins Geschehen ein, nachdem die Bläser und Gastpianist Robert Glasper ihr Improvisationswerk verrichtet haben. Smith beginnt bedächtig, mit rauen Einwürfen, um danach die Spannung so lange aufzubauen, bis es beinahe nicht mehr auszuhalten ist. Das ist ganz alte Groove-Schule und zeitlos mitreißend. Schön, dass der alte Doktor wieder auf einem großen Label praktiziert.

Josef Engels, 26.03.2016



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