home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Responsive image

Beauty & Truth

Joachim Kühn New Trio

ACT/Edel 1098162ACT
(49 Min., 7/2015)

Trios spielten eine große Rolle in der Karriere des Pianisten Joachim Kühn: zunächst der Zusammenschluss mit Klaus Koch und Reinhard Schwartz, mit dem sich Kühn zu DDR-Zeiten in Richtung freie Improvisation wendete, dann in den 80er Jahren das prägende Dreiergespann mit Jean-François Jenny-Clark und Daniel Humair. Jetzt, nach der weltmusikalischen Zusammenarbeit mit dem Guembri-Spieler Majid Bekkas und dem Schlagzeuger Ramon López, kehrt der große Sinnliche des europäischen Jazzklaviers zurück zum klassischen Piano-Trio.
Auf „Beauty & Truth“ ist Kühn gewissermaßen in einen Jungbrunnen gefallen: Er spielt mit Musikern, die halb so alt sind wie er, und interpretiert Pop- und Rock-Songs von den „Doors“ und der Band „Stand High Patrol“, als wäre er Michael Wollny.
Dass dieser Eindruck entsteht, liegt wohl auch daran, dass Kühn von den knochentrockenen Drum-Grooves des rhythmischen Wollny-Alter-Egos Eric Schaefer angetrieben wird. Wenn dann noch der kanadische Bassist Chris Jennings bedrohlich wirkende Dub-Reggae-Linien vor sich hinknurrt wie in „The End“ oder „Sleep On It“, ist die Illusion perfekt: An den Tasten wähnt man keinen 72-Jährigen, sondern einen extrem coolen Jungspund.
Vor der Unterforderung durch das einfach gestrickte Pop-Material schützen sich Kühn und sein neues Trio durch eine eigenwillige Programmzusammenstellung. Da steht neben einem gospelhaften pianistischen Liebesbrief an Kühns langjährigen Partner Ornette Coleman („Beauty & Truth“) unter anderem eine reharmonisierte Version von Gershwins „Summertime“, muskulös und tranceartige swingende Bearbeitungen von Stücken des polnischen Filmkomponisten-Genius Krzysztof Komeda, eine Hexensabbath-Version von Gil Evans' „Blues For Pablo“ sowie eigenes von Kühn.
Aber egal, was das New Trio auch vorträgt: Der Mann am Klavier verleibt sich alles mit einem gesunden Appetit und einer spielerischen Freude am Ausprobieren ein, dass es wohl nicht bei diesem einen gemeinsamen Album bleiben wird.

Josef Engels, 09.04.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top