Mit aller Kraft muss der kleine goldene Putto seine Ärmchen nach oben stemmen: Schließlich trägt er das gewichtige Wappen der Familie Barberini, die im Rom des frühen 17. Jahrhunderts den Papst und mehrere mächtige Kardinäle stellte. Putto und Wappen sind Details eines besonders wertvollen Instruments aus dem Besitz der Familie, nämlich der um 1620 entstandenen „Arpa Barberini“.
Es war eine gute und auch überfällige Idee, einen Nachbau des kostbaren, chromatischen Instruments mit Musik aus dem unmittelbaren Umfeld der Barberinis zu bespielen. Diese Idee haben die Sopranistin Roberta Invernizzi und die Harfenistin Margret Köll auf sehr ansprechende Weise umgesetzt. Invernizzis helle, klare Stimme harmoniert ausgezeichnet mit dem obertonreichen, silbrig schimmernden Klang des 2007 gefertigten Harfennachbaus. Eine kleine Entdeckung sind eine Reihe von Gesangsstücken Orazio Michis dell' Arpa, der neben dem ebenfalls auf der CD vertretenen Girolamo Frescobaldi zu den berühmtesten Musikern Roms gehörte und der die originale Barberini-Harfe mit großer Sicherheit selber gespielt hat. Michi dell' Arpas Monodien zeichnen sich dabei durch prägnante Melodik und eine differenzierte Schilderung von Stimmungen aus, die den Stücken des erfahrenen Opernkomponisten Luigi Rossi, der ebenfalls auf der CD vertreten ist, in nichts nachstehen. Eine zeitgenössische Abbildung der Harfe sowie Eindrücke von den Palästen der Barberini runden das ansprechende Bild dieser sorgsam komponierten Scheibe ab.

Carsten Niemann, 09.04.2016



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