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Holding The Stage (Road Shows Vol. 4)

Sonny Rollins

Okeh/Sony 88751 92752
(1979 - 2012)

Sein Ton ist einzigartig. Und sein Improvisationsgenie ebenfalls. Sonny Rollins, der sich in den 1950ern mit dem Titel einer seiner besten Platten zum „Saxophone Colossus“ ernannte, erfüllt diesen Anspruch tatsächlich. Seine Töne funkeln und brillieren, knurren und locken, bellen, greinen, jubilieren, schnarren, strahlen – und das oft in einer einzigen Melodielinie. Damit macht er dasselbe wie ein guter Schauspieler und Erzähler, der jedes Wort gestaltet, der feine Nuancen in seine Stimme legt. Das war schon vor 60 Jahren so, und daran hat sich – die Aufnahmen aus den Jahren 1979 bis 2012 belegen es – nichts geändert. Da hat jeder Ton Bedeutung – auch die kleinen, knappen in den rasanten Läufen. So ausdrucksstark spielen nur wenige.
Rollins´ Rhythmusgruppen treten hinter dieser Meisterschaft zurück. Sie gestalten wenig selbst. Ihre Funktion ist stets, für ein flexibles Fundament zu sorgen, das Rollins nahezu jede Freiheit für ausdrucksstarke Soli lässt. Die Sidemen wechseln im Lauf der Jahre; einzig der Elektrobassist Bob Cranshaw ist in sechs der acht Live-Mitschnitte zu hören. Den Rahmen des kraftvoll swingenden Spiels verlässt er in „Mixed Emotions“, einem besinnlichen Duett mit dem Gitarristen Saul Rubin und dem mit der zeitgenössischen Discomusik kokettierenden „Disco Monk“, der 1979 auf dem Jazzfestival in Pori mit Jerome Harris am Elektrobass aufgezeichnet wurde. Die Klangqualität der meisten Titel kann mit dem Niveau von Rollins´ Soli nicht mithalten. Manches hört sich wie ein Mitschnitt aus dem Mischpult der Verstärkeranlage an. Der Intensität und Ausdruckskraft von Rollins´ Spiel schadet selbst dies nicht. Der 85-Jährige hat 73 packende Live-Minuten für die vierte Erinnerungsdisc seiner Road Shows-Serie zusammengestellt.

Werner Stiefele, 09.04.2016



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