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Jean-Baptiste Quentin, Louis-Gabriel Guillemain

Conversations (Kammersonaten)

Nevermind

Alpha/Note 1 ALP 235
(74 Min., 9/2015)

Nachdem der französische Cembalist Jean Rondeau gerade erst erfolgreich sein Solo-CD-Debüt mit einem ungewöhnlichen Bach-Parcours vorgelegt hat, stellt er sich nun erstmals auch als Teamplayer vor. „Nevermind“ lautet das von ihm mitgegründete Quartett, dessen Besetzung mit Flöte (Anna Besson), Violine (Louis Creac´h) und Viola da Gamba (Robin Pharo) ganz auf den kammermusikalischen Geschmack des französischen Spätbarocks und der Klassik abgestellt ist. Nun ist es mit der intimen Salonmusik aus jenen Epochen ja so eine Sache. Da wurden Kammersonaten wie Sand am Meer komponiert, auch von zahllosen Kleinmeistern, deren Namen heute zu Recht kaum einer mehr kennt. Und nun kommt also dieses junge französische Alte Musik-Quartett mit Werken eben von zwei Monsieurs um die Ecke, die nur den eingefleischtesten Frankophilen ein Begriff sein dürften.
Jean-Baptiste Quentin (1690 - 1750(?)) war Geiger an der Pariser Oper und ansonsten Stammgast in den angesagtesten musikalischen Zirkeln. Während Quentin knapp 20 Bände voller Sonaten für Violinen und/oder Traversflöten hinterlassen hat, finden sich im kammermusikalischen Nachlass von Louis-Gabriel Guillemain zudem Werke für die in der Schäfermusik beliebten Fideln und Musettes. Von dem 1705 in Paris geborenen und 1770 mit 14 Messerstichen wahrscheinlich ermordeten Guillemain haben Rondeau & Co. zwei Quartettsonaten nebst drei Sonaten von Quentin aufgenommen. Und alle Stücke gehen einem angenehm ins Ohr. Dank ihrer gefälligen, einschmeichelnden Ansprache, die nicht von ambitionierten Modulationen oder feuriger Italianità gestört wird, wie sie etwa vom Komponistenkollege Michel Blavet in seinen Flötenwerken oftmals angestimmt wurde. Somit hört man diesen vier Musikern auf dem mit „Conversations“ betitelten Album gerne bei ihren elegant geführten Unterhaltungen zu. Dennoch hätte dieser auf Dauer allzu harmonischen Atmosphäre so mancher (unverschämte) Witz ganz gut getan.

Guido Fischer, 16.04.2016



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