Responsive image
Georg Friedrich Händel

Imeneo (Dubliner Fassung)

Magnus Staveland, Ann Hallenberg, Monica Piccinini, Fabrizio Beggi, Cristina Arcari, Europa Galante, Fabio Biondi

Glossa/Note 1 GCD 923405
(115 Min., 6/2015) 2 CDs

Die Uraufführung von Händels vorletzter Oper „Imeneo“ war zwar ein Misserfolg, doch der Komponist wollte sich nicht damit zufriedengeben: Er brachte das Werk 1742 in einer gekürzten und bearbeiteten Fassung bei seinem Gastspiel in Dublin nochmals heraus. Das Ergebnis ist ein bezauberndes musiktheatralisches Kammerspiel, dessen Libretto durchaus nicht so schlecht ist, wie Fabio Biondi im Beiheft behauptet: Rosmene, die Tirinto liebt, aber von Imeneo aus Räuberhand befreit und nun auch begehrt wird, muss sich zwischen Liebe und Dankbarkeit entscheiden. Dass sie Tirinto ihr Herz, aber Imeneo den Leib gibt, kann sie nach den Moralvorstellungen der Zeit nicht offen sagen, und so tut sie es unter dem Deckmantel des Wahnsinns sowie in einem Abschiedsduett mit Tirinto, dessen Innigkeit ihre Gefühle verrät. Die feine und bittere Ironie, die in dieser streckenweise schon fast in galantem Stil komponierten Oper liegt, könnte Biondi stellenweise noch deutlicher mit seinen Sängern zu Tage treten lassen. Davon abgesehen überzeugt die Aufnahme sowohl durch den eleganten, kammerspielartigen Ton, den das nur mit Streichern besetzte Orchester anstimmt, wie auch durch den typgerecht gewählten Cast: Imeneo ist als fordernder Held mit Magnus Stavelands baritonalem, farbenreichen Tenor überzeugend besetzt; Ann Hallenbergs männlich timbrierter, sonorer Mezzo macht sich in der Rolle seines Widersachers Tirinto gut. Mädchenhaft in der Höhe ist Monica Piccininis Sopran und daher gut für die umworbene Braut Rosmene geeignet, während sich Fabrizio Beggis väterlicher, sauberer Bass auch hervorragend in den Unisoni mit den Streichern ausmacht, die ein weiteres Markenzeichen dieses interessanten Händelschen Spätlings sind.

Carsten Niemann, 04.06.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top