Raphael Wallfisch, britisch-jüdischer Cellist deutscher Abstammung – seine Mutter, Mitbegründerin des English Chamber Orchestra, spielte im Mädchenorchester von Auschwitz – präsentiert auf zwei CDs eine Art Hommage an die wundervolle Musik der Wahlheimat seiner Familie. Dem Hörer vermittelt er die schillernd bunte, avancierte Harmonik eines Arnold Bax genauso überzeugend wie das spätromantische Idiom Gerald Finzis oder Charles Villiers Stanfords. Wenn man von Höhepunkten in diesem Programm angesichts der durchgängigen expressiven Hochspannung überhaupt sprechen mag, so ist einer davon im Finalsatz des Cello-Konzerts von Arthur Bliss (dem jüngsten Stück des Programms, 1970 entstanden) erreicht, wo sich Orchester und Solist gegenseitig zu exzessiver Virtuosität anstacheln. Stanfords „Irish Rhapsody“ – das einzige Stück des Programms, das nicht traditionelle Konzertform aufweist – begeistert den Hörer durch die Adaption und sinfonische Verarbeitung irischen Volksgutes, bevor mit Ernest Moerans Cello-Konzert noch einmal eine ganz eigenwillige Stilistik exponiert wird: Dunkle Farben und eine angespannte, u.a. von übermäßigen Dreiklängen geprägte Harmonik bestimmen den fesselnden ersten Satz, während im letzten Satz eine Art rhapsodischer Enthusiasmus herrscht. Bei instabilem Tempo und ebenso passionierter wie zerrissener Textur des Satzes peitschen sich Solist und Orchester zu immer ausladenderen Ausdrucksgesten auf. Für den Hörer ein packendes Erlebnis – wie eigentlich fast alles auf diesen CDs.

Michael Wersin, 18.06.2016



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