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Robert Schumann

Violinkonzert, 1. Sinfonie, Violin-Fantasie

Thomas Zehetmair, Kammerorchester Paris

ECM/Universal 002894811369
(77 Min., 2/2014)

Als „Spätwerk eines Wahnsinnigen“ wurde Robert Schumanns Violinkonzert Ende der 1980er Jahre immer noch von so manchem Tauben bezeichnet, trotz auch solcher Geigengranden wie Gidon Kremer, die sich für dieses verkannte Opus eingesetzt hatten. Doch die eigentliche Pioniertat gelang 1988 dem Österreicher Thomas Zehetmair. 27 Jahre alt war der damalige Kremer-Fan, als er das Violinkonzert für die Musikwelt regelrecht neu entdeckte. Für seine Einspielung hatte er intensiv das Originalmanuskript in der Preußischen Staatsbibliothek studiert. Und schon damals erkannte er, dass man das Konzert nicht als virtuose Partie, sondern als emotional tiefschichtiges Werk verstehen muss. Fast 30 Jahre später nun legt Zehetmair seine zweite Einspielung des Violinkonzerts vor. Diesmal ist er zugleich noch sein eigener Dirigent bzw. leitet das Kammerorchester Paris, mit dem er zudem Schumanns 1. Sinfonie sowie die kurz vor dem Violinkonzert entstandene Fantasie für Violine und Orchester aufgenommen hat. Und auch wenn Zehetmair gerade in diesem Werk nicht an melancholischen Schüben und nostalgischen Farben spart, besitzt sein Klang eine Haltung, wie man sie schon immer bei ihm und damit erneut auch beim Violinkonzert bewundern kann. Klarheit im Mehrdimensionalen (und Abgründigen), intellektuelle Neugier sowie eine Anteilnahme, die meilenweit von romantischem Pathos und Leiden entfernt ist – das sind die Grundtugenden, mit denen hier ein Musiker seinem Ruf als vielleicht anregendster Schumann-Geiger der letzten Jahre und Jahrzehnte untermauert. Und dass selbst die 1. Sinfonie nicht von der Stange kommt, sondern hochspannungsgeladen, bisweilen spröde und mit Ecken und Kanten, verwundert daher nicht unbedingt.

Guido Fischer, 25.06.2016



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