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Johann Sebastian Bach

A cembalo obligato e travers solo

Peter Holtslag, Ketil Haugsand

Aeolus/Note 1 AE10246
(64 Min., 3/2014) SACD

Ach ja, die Flötensonaten von J. S. Bach – als Jugendlicher hat der Rezensent sie oft begleitet. Damals freilich auf einem Flügel, und die Solistinnen hielten nicht etwa eine Holz-Traverse, sondern Böhms silberne Allzweck-Röhre in der Hand. Dennoch teilte sich der faszinierende Reiz dieser so spielfreudigen, Motorik, Herz und Verstand fordernden Stücke auch in ganz unhistorischer Besetzung mit – Harnoncourts Ideen zur musikalischen Rhetorik sickerten damals so gerade erst ins Bewusstsein mancher Musikschullehrer ein. Freilich wurde auch seinerzeit schon gemutmaßt, die Es-Dur- oder die g-Moll-Sonate seien in Wirklichkeit nicht von Bach – da beruhigt es, im Beiheft dieser CD zu lesen, dass auch heutige, selbstverständlich auf historischen Instrumenten spielende Interpreten angesichts der unbezweifelbaren einmaligen Schönheit noch keine endgültigen Urteile hinsichtlich Urheberschaft wagen möchten.
Peter Holtslag und Ketil Haugsand musizieren mit der Routine, Vollkommenheit und Begeisterung zweier mit allen Wassern gewaschener Connaisseurs. Cembalo und Traversflöte dialogisieren aufs Großartigste miteinander. Sie lassen sich gegenseitig Raum, wenn wichtiges thematisches Material wechselseitig zu präsentieren ist, und verschmähen auch nicht die Süße von Terz- oder Sextparallelen, zu denen sich rechte Hand des Cembalos und Blasinstrument immer wieder vereinen. Auf ganz selbstverständliche Art entsteht eine nonverbale Kommunikation, die weder an Eloquenz noch an Klangschönheit zu wünschen übrig lässt. Ein Plädoyer für diese oft auch langweilig dargebotenen Stücke.

Michael Wersin, 02.07.2016



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