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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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In My Room

Jacob Collier

Membran/Sony 885150342671
(59 Min., 11/2015 - 2/2016)

Ob Jamie Cullum, Anthony Strong oder Alexander Stewart – an Jazzgesangstalenten mangelte es England in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. Doch nun tritt mit Jacob Collier ein 21-jähriger Londoner ins Rampenlicht, gegen den die Mitbewerber in jeder Hinsicht alt aussehen.
Collier ist nämlich ein Kind des viralen Clip-Zeitalters. Seitdem er im zarten Alter von 17 sein erstes Youtube-Video hochlud, in dem er per Split-Screen-Verfahren den Stevie-Wonder-Song „Don't You Worry 'Bout A Thing“ im Alleingang als Chor und Multiinstrumentalist interpretierte, kann sich Collier prominenter Liebesbezeugungen kaum noch erwehren. Von Herbie Hancock über Chick Corea bis hin zu Quincy Jones ist der Jazzadel voll des Lobes für den Homerecording-Wahnsinnigen, der in seinem kleinen Zimmer im elterlichen Haus am Computer die abenteuerlichsten Arrangements entwirft.
Die Erwartungen an Colliers Album-Debüt waren dementsprechend hoch. „In My Room“ löst sie alle lässig ein. Weil Collier zum einen ein multipel hoch begabter Instrumentalist ist. Und zum anderen singt wie ein junger Gott. Ach was, wie mehrere.
In seinen Close-Harmony-Gesängen erinnert er an eine Mischung aus Bobby McFerrin und Take 6, in der musikalischen Ausgestaltung seiner wild wuchernden Eigenkompositionen lässt er sich von den Besten inspirieren: Stevie Wonder etwa (Wonders „You and I“ gibt es in einem ausgefuchsten Vokalarrangement zu bestaunen), Pat Metheny (man beachte die aus Gitarren, Mandoline und Dulcimer bestehenden Saiteninstrumenten-Schichtungen in „Hideaway“ und „Hajanga“) oder D'Angelo („Saviour“).
Wenn man der Aufnahme eines vorwerfen kann, dann höchstens den überbordenden Erfindungsreichtum und die geradezu arabeske Überfrachtung mit Details und überraschenden Groove- und Harmoniewechseln – weshalb auch die für Colliers Verhältnisse simple Ballade „In The Real Early Morning“ als Ruhepunkt besonders hervorsticht. Aber seit wann wären zu viel Talent und zu viele Ideen ein Verbrechen? Deshalb: Wow.

Josef Engels, 02.07.2016



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