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Pale White Shout

Urs Leimgruber, Andreas Willers

Jazzwerkstatt/Jazzwerkstatt gUG JW170
(70 Min., 6/2014)

Sie sind selten geworden, die Konzerte puristischer Zuhör-Ereignis-Improvisationsmusik. Einer Musik, die ohne Absprachen, ohne Fahrplan aus der Begegnung entsteht, wobei Leitfaden einzig und allein das konzentrierte Aufeinanderhören ist. Oft zählt dabei nicht so sehr das konventionelle musikalische Ergebnis von Melodie, Harmonie und Rhythmus, sondern der Entstehungsprozess der Klänge, ihre Strukturierung in der Interaktion, kurz: das Erleben, wie sich diese Prozesse ereignen, rückt in den Vordergrund. Die Duobesetzung im live-Format ist ideale Voraussetzung für diese Art des Musizierens; und ein erstes Aufeinandertreffen von Musikern, die noch nie miteinander Musik gemacht haben, erhöht die Spannung. Unter genau diesen Bedingungen trafen vor zwei Jahren der Gitarrist Andreas Willers, Jahrgang 1957, und der Tenor- und Sopransaxofonist Urs Leimgruber, Jahrgang 1952, in der Künstlerwerkstatt in Pfaffenhofen an der Ilm bei München aufeinander. Siebzig Minuten lang währt ihr äußerst behutsamer, einen ungeheuren Spannungsbogen durchlaufender ununterbrochener Dialog. Über die Hälfte der Zeit ertasten sich die Musiker mit der Strukturierung von auf den Instrumenten erzeugten Geräuschen einen sich immer mehr weitenden Raum, erst dann kommen fragmentarisch Melodiepartikel ins Spiel, nie allerdings entsteht dabei so etwas Banales wie ein konventioneller Lauf. Der Saxofonist ist ein Meister der pointillistischen Überblastechnik und quasi des Flageolettierens eines Flageoletttons. Was sich dann tatsächlich zu melodisch abstrakt zirkulären Kürzeln krümmt, ist aus dem guten alten Free Jazz hinlänglich bekannt. Allzu lange dauert diese Phase nicht und mündet, der Eingangsphase ähnlich, in einen sich tastend lösenden Schluss. Der Weg war das Ziel. Live ist dergleichen ein hoch konzentriertes Spannungserlebnis, für den Nachvollzug auf CD muss sich er Zuhörer erst gründlich konditionieren.

Thomas Fitterling, 16.07.2016



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