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Johann Michael Nicolai

Musik am Stuttgarter Hof

Gerlinde Sämann, Kai Wessel, Johannes Kaleschke, Wolf Matthias Friedrich, ecco la musica

Christophorus/Note 1 CHR77401
(73 Min., 8/2015)

Geboren 1629, gestorben 1685, also im Geburtsjahr Johann Sebastian Bachs. Von 1655 bis zum Tod am Stuttgarter Hof beschäftigt, zunächst als Instrumentalist, dann mit kapellmeisterlichen Aufgaben. Viel mehr wüssten wir nicht über Johann Michael Nicolai, wäre uns nicht einiges von seiner Musik erhalten geblieben. In seinen Sonaten erweist er sich als Liebhaber eher ungewöhnlicher instrumentaler Kombinationen: Zu einer bzw. zwei konzertierenden Violinen tritt jeweils die Posaune als Dialogpartner; Matthias Sprinz sorgt in dieser Einspielung dafür, dass sie in puncto Virtuosität und geschmeidiger Linienführung auch tatsächlich mit den Solostreichern mithalten kann.
Nicolais Kantaten haben Bibelwort und auch freie Dichtung zur Textgrundlage. Die Texte sind mit bemerkenswertem Geschick unmittelbar sprechend vertont; einstimmige und mehrstimmige Passagen wechseln sich auf vokaler Ebene häufig ab. Ein Kleinod ist Nicolais Version des kurzen Jubelpsalm 118 (Laudate Dominum omnes gentes), die sich über einem Ostinato aus Romanesca-Quarten (heutigen Ohren vertraut durch Pachelbels Kanon) entfalten. Großartig hier das permanente Wechselspiel unterschiedlicher Vokal- und Instrumentalbesetzungen über dem Continuo. Die solistische Sängerbesetzung mit Gerlinde Sämann, Kai Wessel, Johannes Kaleschke und Wolf Matthias Friedrich harmoniert aufs Vortrefflichste sowohl untereinander als auch mit den großartigen Instrumentalisten von „ecco la musica“. Gemeinsam gelingt es allen Beteiligten, Johann Michael Nicolai nicht nur kurzfristig der Vergessenheit zu entreißen, sondern wirklich Interesse für seine Musik zu wecken; hoffentlich erscheint das eine oder andere der Stücke nun bald in moderner Ausgabe.

Michael Wersin, 16.07.2016



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