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William Lawes

Sämtliche Werke für Lyra viol solo

Richard Boothby

harmonia mundi HMU 907625
(60 Min., 1, 3, 5 & 9/2015)

Die Idee war durchaus pfiffig, den Klang der gestrichenen und gezupften Saiten über mitschwingende Resonanzsaiten mehr als zu verdoppeln. Doch irgendwie konnte sich diese etwas andere Gambe in England nicht durchsetzen (erst fast ein halbes Jahrhundert später wurde an diese Instrumentenbauweise noch mal angeknüpft, mit dem von Haydn so reichlich bedachten Baryton). Und so wurde aus der Lyra viol kurzerhand eine konventionelle, kleinere Bassgambe mit sechs Saiten. Dass man aber darauf auch mal herzzerreißende, mal unterhaltsame Klanggeschichtchen zu erzählen verstand, belegt jetzt der englische Meistergambist und Ensemblegründer Richard Boothby. Auf einer historischen Lyra viol eines gewissen Richard Meares – die klanglich die Jahrhunderte makellos überdauert hat – spielte Boothby das komplette Solo-Schaffen für Lyra viol von William Lawes ein, der zur Post-Dowland-Generation gehörte und auch das Consort-Spiel einfallsreich befruchtete. 35 Miniaturen, darunter Allemandes, Courantes und Sarabandes, sind jetzt zu hören. Und von der englischen Folksmusik bis zur feingeistigen Kunstmusik geben die Stücke aus den 1630er Jahren mehr als nur einen repräsentativen Einblick in die englische Klangseele des frühen 17. Jahrhunderts. Wie Boothby das anspruchsvolle Stimmengeflecht schon mal so weit auflöst, bis eine einzige einsame, aber doch magische Melodie erklingt, macht bis ins Detail all diese Werke so ungemein wertvoll. Daher ist Boothbys Engagement für William Lawes nicht hoch genug zu loben.

Guido Fischer, 23.07.2016



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