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Ballads and Standards

Marc Mommaas, Nikolaj Hess

Sunnyside/Delta SSC 4024
(58 Min., 2/2014)

Langsam, fast vorsichtig tastet sich der Pianist Nikolaj Hess in „The Peacocks“ vorwärts, und ähnlich bedächtig klinkt sich der Saxofonist Marc Mommaas ein. Sie haben es nicht eilig. Im Gegenteil: Sie scheinen es zu genießen, dem Thema fernab jeglicher Hektik zur Blüte zu verhelfen. Bei „Ask Me Now“, „The Shadow Of Your Smile“ und „Never Let Me Go“ ergänzt der Kontrabassist Thomas Morgan im sensiblen Trio sparsam dunkle Klangtupfer, und in „Somewhere Over The Rainbow“ spielt Vic Juris auf der Elektrogitarre ergänzende Melodielinien, während sich Mommaas und Hess in „In A Sentimental Mood“ und „Body and Soul“ auf die Duobesetzung konzentrieren. Sensibel verschachteln der Däne und der Holländer sowie ihre Gäste in den sieben Titeln Melodien und Harmonien ineinander, lassen Klänge nachwirken, setzen winzige Pausen. Sie hören sich zu, sie reagieren aufeinander, sie lassen sich Zeit – eine angenehme Alternative zum im Medienalltag vorherrschenden Trend zum Beschleunigen und Hinwerfen von Vorläufigem und Ungarem. Wie sie improvisieren, wie sie aufeinander eingehen, spiegelt stattdessen die Sehnsucht nach Ernsthaftigkeit und tatsächlichem Austausch. Indem sie hierzu nur Klassiker der Jazzgeschichte verwenden, gehen sie ein hohes Risiko ein, denn von all diesen Stücken gibt es unzählige Einspielungen. Das Risiko hat sich gelohnt, denn die Fassungen auf der mit einer gehörigen Portion Understatement schlicht „Ballads and Standards“ genannten Scheibe sind durch die Aufmerksamkeit, mit der sich die Partner in den Trioaufnahmen oder den Duetten begegnen, Kleinode der intimen Kommunikation.

Werner Stiefele, 06.08.2016



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