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Diverse

Conductus Vol. 3

John Potter, Christopher O´Gorman, Rogers Covey-Crump

Hyperion/Note 1 CDA68115
(61 Min., 4/2014)

Der Conductus als musikalische Gattung des Mittelalters ist in der Tat für den Laien schwer greifbar: Die Stücke können ein- oder mehrstimmig sein, sie können rhythmische Gebundenheit implizieren (wer weiß das schon genau?) oder auch eher nicht, sie können christlich-religiösen oder anderweitigen Inhalt haben – zwischen all den variablen Parametern scheint eine klare Definition bis heute schwierig, eine kompetente Interpretation ist es allzumal.
Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass John Potter, Christopher O’Gorman und Rogers Covey-Crump nun schon die dritte CD mit solchen strophischen Gesängen vorlegen – und sie entfernen sich diesmal noch weiter von allem, was man an Conductus-Gesängen als Bestandteil von Mittelalter-Programmen bisher so gehört hat: Keinen marianischen Text bringt die neue Folge, dafür aber Stücke, die sich der Mythologie, der mittelalterlichen Naturwissenschaft oder aber schlicht dem Thema „Liebe“ widmen. Hinsichtlich der Frage der „Rhythmizität“ der Gesänge hat man sich mit dem neuesten Forschungsstand auseinandergesetzt, wie der Beihefttext belegt, und gelangt zu einer praktischen Vorgehensweise, die sinnvoll den Text in den Vordergrund stellt.
Die erfahrenen Sänger agieren klangschön und textnah – kleine Mängel gibt es indes auf dem Gebiet der Intonation: Nicht immer rasten in der Mehrstimmigkeit die Zusammenklänge ganz sauber ein, und auch in der Einstimmigkeit kommt es gelegentlich zu Schwankungen. Den Wert dieser klingenden Dokumentation der Gattung Conductus tangiert das nur am Rande, aber den feinsinnigen Ästheten unter den Hörer wird es auffallen.

Michael Wersin, 20.08.2016



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