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Traumesrauschen

Martin Dahanukar

Skip/Soulfood SKP 9132
(39 Min., 12/2015)

Das versonnen gespielte gestopfte Horn, die lässige Schwermut und die Bereitschaft, seinen Mitmusikern viel Platz zu lassen – es fällt nicht schwer, Miles Davis als das erklärte Vorbild des indisch-schweizerischen Trompeters Martin Dahanukar auszumachen. Es ist aber nicht der von Kollegen wie Nils Petter Molvaer, Erik Truffaz oder Médéric Collignon verehrte Fusion-Revolutionär, dem Dahanukar auf „Traumesrauschen“ träumerisch-assoziativ nachspürt, sondern dem Miles der 50er Jahre.
Davis' Musik zu Louis Malles Film „Fahrstuhl zum Schafott“ stand Pate für die Aufnahme. Nicht so sehr stilistisch, wenn sich auch Stücke wie „Julia's Glance“ oder „Le soleil qui brule“ in ihrem Retro-Swing an den Jazz der Fifties anlehnen mögen. Vielmehr sind es die Atmosphäre und die Konstruktion der Kompositionen, die stark an den Miles der Pariser Tage erinnern.
Der Trompeter improvisierte damals vor der Leinwand zu Malles Film und ließ sich von den Bildern treiben. Ähnlich verfährt Dahanukar mit seinen Mitstreitern (Michael Haudenschild: Klavier und Rhodes, Philipp Moll: Kontrabass, Willy Kotoun: Percussion) auf „Traumesrauschen“: Auf der Grundlage von Urlaubserinnerungen, Reminiszenzen aus dem Kino-Saal (etwa bei „Hablar con Almodóvar“ oder „Salaam Bombay“) oder Bildern aus dem Halbschlaf entwickelt Dahanukar geheimnisvolle Soundtracks fürs innere Auge.
Sein ätherischer Trompetenton und Kotouns wechselnde Percussiongrundlage schicken die Kompositionen dabei auf Reisen durch Raum und Zeit: So taucht das Quartett in einem der heiligen Flüsse Indiens unter („Afloat The Narmada“), wird von Tabla-Grooves in eine fabelhafte Welt zwischen Amélie und Almodóvar entführt (im stark nach Yann Tiersen klingenden „Hablar con Almodóvar“)" oder erweist sich als Zeitgenosse von Dizzy Gillespies ersten Experimenten mit afrokubanischen Rhythmen („Noir est la mer“). Ein verträumtes Vergnügen.

Josef Engels, 17.09.2016



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