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Peire Cardenal, Guiraut Riquier, Codex Las Huelgas u.a.

Mediterraneum (Ramon Llull Vol. 3)

Capella de Ministrers, Musica Reservata Barcelona, Carles Magraner

Capella/Note 1 CDM1639
(75 Min., 9/2015)

Zum dritten Mal widmet die „Capella de Ministrers“ unter Leitung von Carles Magraner dem mallorquinischen Gelehrten Ramon Llull ein abwechslungsreiches Programm mit vokaler und instrumentaler Musik des Hochmittelalters. Llull war seinerzeit ein ebenso umstrittener wie umfassend gebildeter Theologe und Philosoph, der in gewisser Weise zur Verständigung von christlicher, jüdischer und islamischer Welt beizutragen in der Lage war – u.a. deshalb, weil er den arabischen Kulturraum umfassend studiert hat. 2016 jährt sich sein Todestag vom achthundertsten Mal.
Die hier präsentierten Stücke stammen indes nicht von Llull selbst (auch nicht die Texte), sondern es handelt sich um eine bunte Mischung von Gesängen u.a. aus dem Codex Las Huelgas, dem Codex Montpellier oder aus dem gregorianischen Repertoire; hinzu kommen anonym überlieferte Instrumental- und Vokalstücke. Dargeboten werden sie von einer umfangreichen Zahl zeitgenössischer Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente, zu denen die Schalmei, die Oud, die Cornamuse oder die Setar gehören. Hinzu kommen die durchweg hervorragend geführten Stimmen des Ensembles „Musica Reservata Barcelona“. Wir können mithilfe dieser CD tief eintauchen in das, was wir gefühlsmäßig für mittelalterlich halten: fremde instrumentale Klänge, fremde Sprachen, unvertraute Melodien zu teilweise eigenwilligen Texten, die das Beiheft mehrsprachig wiedergibt. Allerlei Perkussionseffekte bewegen uns im Innersten, vor allem die tiefen Trommeln verursachen Betroffenheit. Allerdings erfahren wir, wie bei solchen Produktionen üblich, auch im Beiheft dieser CD nichts über die Herkunft und Beschaffenheit der verwendeten musikalischen Substanz. Überliefert können aus jener Zeit eigentlich nur die Melodien sein, allenfalls rhythmische Grundmuster konnten außerdem notiert werden. Alle anderen Parameter der Gestaltung – Besetzung, Mehrstimmigkeit, Tempo, Dynamik u. v. m. – obliegt den Interpreten unserer Tage, die neben Quellenkenntnis zumeist ein gerüttelt Maß an Experimentierfreude und Mut zur Improvisation mitbringen. Also: Manches von dem, was diese CD bietet, ist mittelalterlich. Aber ob die Musik damals wirklich annähernd so geklungen hat wie hier zu hören, wird sich niemals klären lassen.

Michael Wersin, 17.09.2016



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