Gegen Ende kriecht in ihr die ganze Wut und Verzweiflung hoch. Angesichts des Todes ihres Angebeteten Adonis, der verwundet vor ihren Füßen stirbt. Doch bevor Venus nun höchstselbst dem Wahnsinn verfällt, faucht sie ihr Leiden der Welt unerbittlich entgegen. Und Ciara Hendrick macht dies hochvirtuos und in voller Moll-Erregung einfach glänzend treffsicher. Allein für dieses Finale lohnt sich die Anschaffung einer Operntrouvaille aus dem frühen 18. Jahrhundert. „Venus and Adonis“ stammt aus der Feder des gebürtigen Berliners Johann Christoph Pepusch, den es um 1700 für immer nach London zog, wo er als Kapellmeister und eben auch als Komponist beachtliche Erfolge feierte. So wurde seine sogenannte „Masque“ „Venus and Adonis“ seit der Uraufführung 1715 nicht nur viele Mal nachgespielt. Händel ließ sich davon für seinen Zweiakter „Acis and Galatea“ inspirieren. Nach den nicht weniger erstaunlichen Concerti von Pepusch, die das Alte Musik-Ensemble The Harmonious Society of Tickle-Fiddle Gentlemen kürzlich ausgegraben und eingespielt hat, liegt also jetzt „Venus and Adonis“ in einer Weltersteinspielung vor. Und die von Robert Rawson angeführte „Harmonische Vereinigung geigenkitzelnder Herren“, so der Name wörtlich, lässt diesmal mit drei Spitzensängern keine Gelegenheit aus, Pepuschs feinstes Näschen für zarte und zündende Arien sowie für wiegende und wilde Streicher ins helle Licht zu rücken. Hört mehr Pepusch, kann man daher nur empfehlen!

Guido Fischer, 24.09.2016



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