Responsive image
Camille Saint-Saëns, Ernest Chausson

Klavierquartette

The Schubert Ensemble

Chandos/Note 1 CHAN 10914
(67 Min., 3/2016)

Freilich, man muss sie grundsätzlich mögen, diese französische Musik des Fin de siècle (großzügig auf die letzten 25 Jahre vor der Wende zum 20. Jahrhundert ausgelegt): Man muss die klingende Suche der Franzosen nach ihrer eigenen Stilistik, die spätestens nach 1870/71 begann, ebenso gern nacherleben wollen wie ihre etwas tragische Ambivalenz in Sachen „wagnérisme“. Beherzigt man all dies, dann wird man diese Musik nicht mehr zwanghaft vor dem Hintergrund der deutschen Musikgeschichte jener Zeit beurteilen wollen und nach den Spuren beethovenschen Ringens oder brahms’schen Verzweifelns darin suchen. Stattdessen kann man das abwechslungsreich-heitere Spiel mit den Formen und Verarbeitungstechniken, das Camille Saint-Saëns in seinem Klavierquartett op. 41 betreibt, wirklich genießen: Handwerklich ist diese Musik von gediegener Qualität, und ihr Unterhaltungswert ist immens. Hinzu kommt in der vorliegenden Aufnahme die großartige Interpretation durch die Musiker des „Schubert Ensembles“, die exakt das richtige Maß an vibrierender Süffigkeit finden, um Saint-Saëns‘ Melodien zu voller Blüte zu entfalten, ohne sie dabei zum Kitsch zu degradieren.
Den streckenweise heldischen Tonfall des zum Saint-Saëns deutlich kontrastierenden Klavierquartetts von Ernest Chausson treffen die Musiker nicht weniger glücklich: Genussvoll kosten sie die dichte, starr angereicherte Harmonik (wagnérisme!) aus und finden außerdem auch in diesem Werk eine Menge Gelegenheit zum effektvollen Ausspielen elegischer Passagen. Eine warme Welle nach der anderen ergießt sich über den Hörer dieser Musik.

Michael Wersin, 01.10.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Saitenwechsel: Es ist schon seltsam, dass die zeitliche Distanz zu den Suiten eines François Couperin oder Jean-Philippe Rameau viel deutlicher hervortritt, wenn man sie statt auf einem Cembalo auf einem modernen Flügel spielt. Während das knackig-bissige Cembalo mit dieser Musik eine zeitlich stimmige Einheit bildet, trägt der fließende, weiche Klang eines Flügels etwas Vermittelndes bei. So als hörte man von einer Geschichte nur aus der rückblickenden Erzählung oder als würde man […] mehr »


Top