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Georg Friedrich Händel

Handel In Italy Vol. 2

Benjamin Bevan, Mary Bevan, Sophie Bevan, London Early Opera, Bridget Cunningham

Signum Classics/Note 1 SIDCG462
(55 Min., 1/2013)

„Händel in Italien“ ist ein tolles Thema: Als Anfangzwanziger reiste der Sachse auf eigene Faust nach Rom und ließ sich dort von verschiedenen Mäzenen im gehobenen Klerikerstand aushalten. Die Kardinäle waren voll der Bewunderung für Händels faszinierende kompositorische Kreativität und fassten eine tiefe Zuneigung zu ihm, die fallweise sogar die Grenzen des Schicklichen berührte. Die reichen Früchte aus diesen bewegten Jahren sind vor allem eine Reihe weltlicher italienischer Kantaten, aber auch einige geistliche Werke, Kammermusik und eine Oper.
Bridget Cunningham, eine in London ausgebildete Dirigentin und Cembalistin, hat sich offenbar vorgenommen, Händels Musik umfassend zu dokumentieren: Eine CD mit Cembalomusik ist angekündigt, und mit diesem Tonträger liegt Teil 2 von „Handel In Italy“ vor. Wie im ersten Teil greift sie im vokalsolistischen Bereich auf Kräfte der verzweigten Musikerfamilie Bevan zurück: Mary und Sophie decken das Sopranfach ab, Benjamin betätigt sich als Bariton. Vorgestellt werden zwei komplette Kantaten, zwei Trios, ansonsten Auszüge aus größeren Vokalwerken. Benjamin Bevan schlägt sich in der selten zu hörenden Continuo-Kantate „Dalla guerra amorosa“ passabel, im Weg steht ihm allerdings seine Neigung zum überbrusteten Singen, das vibratoreich und wenig flexibel daherkommt. Wo er die körperliche Energie reduziert – in der langsamen Mittelarie etwa – tönt’s gleich freundlicher und angenehmer. Zu der Rolle des Polifemo in „Aci, Galatea e Polifemo“ (leider nur mit einer einzigen Arie repräsentiert) würde das Stimmfach eigentlich passen; allerdings wagt sich Bevan nicht an die wirklich schweren Nummern dieser wegen ihres gewaltigen Tonumfangs gefürchteten Partie.
Die Damen kommen u.a. in den beiden Trios HWV 200 und 201a ausführlich zum Zuge. Gemeinsam mit Benjamin Bevan liefern sie hier viel Legato, wenig Rhetorik, reichlich Vibrato und kaum differenziertes Herangehen an die durchaus vielfältig gestalteten vokalen Linien. Zum Freund dieser Stücke wird man durch diese Darbietung sicher nicht.

Michael Wersin, 22.10.2016



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