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György Ligeti

Sechs Bagatellen, Kammerkonzert, Zehn Stücke für Bläserquintett

François-Xavier Roth, Les Siècles

Actes Sud/harmonia mundi ASM 26
(44 Min., 4/2016)

Gleich drei Klassiker von György Ligeti hat Kölns GMD Franҫois-Xavier Roth zusammen mit seinem Ensemble Les Siècles aufgenommen. Und wenngleich die Werke für Bläserquintett sowie das Kammerkonzert für großbesetztes Ensemble allesamt in den 1950er und 1960er Jahren und damit in den heißesten Avantgarde-Zeiten geschrieben wurden, spiegeln sie ideal Ligetis berühmte musikideologische Unabhängigkeit wider. Die 1953 entstandenen „Sechs Bagatellen“ basieren auf Stücken des Klavierzyklus „Musica ricercata“ und entpuppen sich in der Aufnahme durch die fünf gewitzt draufgängerischen Bläser von Les Siècles als burleske Köstlichkeit und folkloristisch fröhliche Fantasien über Balkan-Melodien. Und wie aufgeweckt und gelenkig das laut Ligeti „hinkende“ Presto ruvido daherkommt, lässt sofort an den Neo-Klassizisten Strawinski denken. Ebenfalls für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn schrieb Ligeti 1968 die Zehn Stücke für Bläserquintett, die mit ihren eingestreuten Minikonzertsätzen für jede der Bläserstimmen eine Art abstraktes Divertissement bilden. Hauptstück dieser selbst für Neue Musik-Muffel extrem attraktiven, weil auch auf absolutem Top-Niveau eingespielten Ligeti-CD ist das Kammerkonzert von 1970. Und die Bewegungslust der Quintette findet in den vier Sätzen ihre Fortsetzung. Mal umkreisen und umschlingen sich die Bläser geheimnisvoll. Dann wieder durchpulst das Ensemble eine Motorik, die an den etwas anderen Minimal-Music-Komponisten Ligeti, aber auch den Schöpfer des irrwitzig tickenden „Poème symphonique“ für 100 Metronome erinnert.

Guido Fischer, 29.10.2016



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