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Subterranea

Mosaic

Edition/harmonia mundi EDN1077
(50 Min., 3 & 4/2016)

In England ist manches anders. Da bezieht sich der Träger des Kenny Wheeler Jazzpreises auf den Minimal Music-Komponisten Steve Reich und den Rock-Klassik-Crossover-Minimalismus-Tonschöpfer Steve Martland. Dazu kommt eine Portion Elektronik und ein um ein Cello ergänztes Jazzquintett, das nicht swingt. Wohl aber fabrizieren die sechs Briten eine faszinierende Musik im Feld zwischen Ambient, Jazz, Rock und Minimal Music, wobei der Einfluss der Minimalisten in „White Horses“ besonders deutlich ist. Im folgenden „Kaira Konko“ reiben sich Minimalismus, das Jazzvibrafon des Bandleaders Ralph Wyld und der weiche, an Kenny Wheelers Ton erinnernde Trompetensound von James Copus aneinander. All dies ist weitgehend komponiert, und auch im Titelstück „Subterranea“ umgarnen sich Vibrafonsoli des Bandleaders, der dunkle Klang des Bassklarinettisten Sam Rapley und der dunkle Kontrabass, gespielt von Misha Mullov-Abbado sowie Cecilia Bignalls Cello und Scott Chapmans Schlagzeug in einem vorgeplanten Gewebe – das Stück wurde 2015 mit dem „Dankworth Price For Jazz Composition Small Band Category“ ausgezeichnet. Mit „Cryptogram“ kehren verknappte, wie hingetupft wirkende Elemente ins ausgezirkelte Geschehen zurück. Zwei improvisierte Interludes und einige Zwischenphasen in den auskomponierten Stücken verdeutlichen andererseits, dass die Band auch abseits der Notenblätter bestens harmoniert. Mit „Reprise“ kehren Loop-artige Erinnerungen an die zuvor gehörten Stücke zurück: Nun trifft eine bewegte Variante der Minimal Music auf den Puls des Jazz. So, wie die Briten einst Jazz und Rock nicht als gegensätzliche Lager auffassten, bringen sie nun neuere Ernste Musik und Jazz zusammen.

Werner Stiefele, 26.11.2016



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