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Windmond

Sarah Chaksad Orchestra

Neuklang/in-akustik 0584158
(59 Min., 4/2016)

Bigbands verlangen klare Arrangements. Und ausdrucksstarke Soli. Und das überlegte Ineinandergreifen beider. Die Schweizer Altsaxofonistin Sarah Chaksad hat für ihre in der Tradition der 1930er Jahre „Orchestra“ genannte Bigband eine schlüssige Synthese gefunden. Dabei protzt sie nicht mit massiven Tutti, wuchtigen Bläsersätzen und knalligen Rhythmen. Ihre Stärke sind differenzierte, durchgearbeitete, sorgsam überlegte Partituren, in denen sie virtuos mit den Klangfarben der fünfzehnköpfigen Formation spielt. Dies stellt sie eher in die Traditionslinie von Bob Brookmeyer, Maria Schneider oder Mathias Rüegg anstelle von Count Basie oder Duke Ellington, wobei sie keinen dieser Vorläufer kopiert. Wohl aber wurzeln ihre angenehm das Ohr umschmeichelnden Arrangements eher in der lichten europäischen Tradition als in der blues- und swingbezogenen amerikanischen. Sie integriert Rockelemente und E-Gitarrensoli, sie schreibt feinsinnige Bläsersätze, sie setzt die Stimme von Julie Fahrer wie ein Instrument ein. Filigran wirken manche Passagen, und andere wuchern mit mehrstimmiger Linienführung, deren Melodien manchmal so einfach und klar wie Volkslieder wirken, obwohl sie keines zitieren. Wie sorgfältig sie arbeitet, zeigt sich auch daran, dass sie ihren Solisten jeweils ein maßgeschneidertes Arrangement für größere Teile der Band als Hintergrund zur Verfügung stellt. Dabei bevorzugt sie hellere, eher durch Saxofone, Querflöte und Elektrogitarren geprägte Spektren. Indem sie diese Möglichkeiten einer Großformation ausnutzt, unterscheidet sie sich von vielen Bigbandarrangeuren, die ihre Solisten oft nur zur Begleitung durch die Rhythmusgruppe improvisieren lassen. Vordergründig wirkt das alles nicht unbedingt spektakulär. Aber muss alles protzig daherkommen, wenn es auch eine hochwertige, zurückhaltende Alternative gibt? Es lohnt sich, das Album „Windmond“ anzuhören.

Werner Stiefele, 03.12.2016



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