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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Rundfunkarchive haben für Liebhaber älterer Aufnahmen magische Anziehungskraft: Wie viele Schätze schlummern hier, die nie kommerziell als Schallplatten auf den Markt gebracht worden sind! In den letzten Jahren sind die Rundfunkanstalten freigiebiger geworden; entweder in eigener Vermarktung oder in Zusammenarbeit mit anderen Labels gewähren sie dem Hörer Einblick in jene Bestände, die sie zu Gunsten aktuellerer Einspielungen kaum noch in den Äther schicken.
Die vorliegende deutsche, etwas gekürzte Version von Mozarts "Così fan tutte" wurde im Januar 1953 von Hans Schmidt-Isserstedt (1900-1973) dirigiert. Dieser ein wenig in Vergessenheit geratene Künstler war für den Aufbau des NDR-Sinfonieorchesters nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich und blieb bis 1971 dessen Leiter. Unter seiner Stabführung vereinten einige der bekanntesten Nachkriegssänger ihr Können zu einer insgesamt beachtlichen, teilweise brillanten Gesamtleistung. Allen voran ist die wunderbare belgische Sopranistin Suzanne Danco zu nennen, der ein praktisch zeitlos schönes Rollenporträt der Fiordiligi gelingt. Die Arie "Wie der Felsen, der ohne Schwanken" ("Come scoglio immoto resta") etwa gibt ihr Gelegenheit, ihre superb durchgebildete, technisch perfekt funktionierende Stimme mit kraftvoller, nahtlos an die Mittellage angebundener Tiefe wirkungsvoll zu präsentieren. Als stilistisch stärker an ihre Zeit gebunden erweist sich Ira Malaniuk (Dorabella): den etwas schwerfälligen Duktus ihres Vortrags mit starker Neigung zu unmotiviertem Portamento hat sie mit vielen Kolleginnen ihrer Tage gemeinsam.
Die Gründe für Rudolf Schocks große Karriere sind wahrlich nicht immer nachvollziehbar; seine sympathische Interpretation der Partie des Ferrando in dieser Aufnahme trägt zum Verständnis insofern bei, als sie ein besonders in der Mittellage durchaus wohlklingendes Material, gute Diktion und überzeugenden Ausdruck offenbart. "Un’ aura amorosa" glückt Schock allerdings nicht makellos, denn in der Höhe scheint er nur die Wahl zwischen tendenziell etwas gequälter oder allzu isoliert kopfiger Stimmgebung zu haben. Solide bis begeisternd dagegen die anderen Herren: Benno Kusche (Don Alfonso) ist ja - zu recht - auch kein Unbekannter geblieben, aber dem vorzüglichen Horst Günter (Guglielmo), der übrigens u. a. auch in Lehmanns brillanter "Hänsel und Gretel"-Einspielung (DG) eine hervorragende Figur macht, hätte man etwas mehr Popularität gewünscht. Für eine ganz große Nachkriegskarriere hat es bei dem 1913 Geborenen nicht gereicht - in den Jahren des Wiederaufbaus eroberte schnell eine etwas jüngere Generation das Feld.
Nur bedingt zu erfreuen vermag hingegen Edith Oravez als Despina; zwar verfügt sie über eine durchaus reizvolle und ansprechende, hell timbrierte Stimme, aber es hapert hier und da mit der Intonation, und darstellerisch überzeugt sie eher rezitativisch als arios.

, 29.05.2004



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