Schon 2012 ließ Raphaël Pichon keinerlei Zweifel aufkommen, dass er nicht nur ein Glücksfall für die Alte Musik-Szene, sondern auch für das Opernschaffen von Jean-Philippe Rameau ist. Damals ging Pichon mit seinem exquisiten Ensemble Pygmalion und einer noch exquisiteren Sängertruppe ins Aufnahmestudio, um aus Rameaus 1744 überarbeiteter Tragédie lyrique „Dardanus“ einen wahren Ohrenschmaus zu machen. 2015 stand nun die Erstfassung von 1739 auf dem Spielplan des Opernhauses in Bordeaux. Und vom Team der gelungenen Studioproduktion übernahm Mezzosopranistin Gaëlle Arquez erneut die Rolle der hoffnungslos in den Troja-Gründer Dardanus verknallten Iphise. Zusammen mit Tenor Reinoud van Mechelen in der Titelpartie, Florian Sempey als sein Widersacher Anténor sowie überhaupt einem bis in die Nebenrollen glänzend aufgestellten Sängerensemble sorgte Pichon so auch dank Regisseur Michel Fau für ein Barockopern-Spektakel, von dem man nun durchweg mitgerissen und gepackt wird. Nicht nur hat Bühnenbildner Emmanuel Charles zusammen mit Kostümbildner David Belugou die historische Inszenierungspraxis farbenprächtig und bisweilen poppig-schräg interpretiert (nur die übergroßen Untertitel bei der DVD-Fassung schmälern jetzt leicht das Vergnügen). Auch Choreograf Christopher Williams sorgt mit seiner Compagnie immer wieder zwischen Realität und Traum für magische, oftmals surreale Einlagen. Eine vergleichbare Rameau-Huldigung auf diesem fulminanten Niveau dürfte aktuell schwerlich zu finden sein.

Guido Fischer, 24.12.2016



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